
Die Fontana Pretoria ist der riesige Marmorbrunnen auf der Piazza Pretoria, ein paar Schritte von den Quattro Canti im Zentrum Palermos. Gemacht wurde er gar nicht für Palermo: Er entstand in den 1550er-Jahren in Florenz für den Garten eines Adligen, wurde dann an die Stadt verkauft, in 644 Teile zerlegt und nach Sizilien verschifft. Die vielen nackten Götter und Nymphen brachten dem Platz später den Spitznamen Piazza della Vergogna ein, Platz der Schande.
Die Fontana Pretoria auf einen Blick
- Wo: Piazza Pretoria, gleich südlich der Quattro Canti, zwischen dem Rathaus von Palermo (Palazzo Pretorio) und der Kirche Santa Caterina.
- Geschaffen: ab 1554 in Florenz; in Palermo ab 1574 wieder aufgebaut und 1581 vollendet.
- Von: dem Florentiner Bildhauer Francesco Camilliani, einem Schüler Baccio Bandinellis; in Palermo zusammengesetzt von seinem Sohn Camillo Camilliani mit Michelangelo Naccherino.
- Was er heute ist: der Mittelpunkt des Platzes, von einem Gitter umgeben, zwischen 1998 und 2003 restauriert.
- Zeitbedarf: 15–20 Minuten für eine ganze Runde.
Vom Florentiner Garten auf einen sizilianischen Platz
Der Brunnen entstand für den Garten von Don Luigi de Toledo in Florenz, einem spanischen Adligen und Bruder Eleonoras von Toledo, der Frau von Herzog Cosimo I. de’ Medici. Francesco Camilliani begann 1554 mit der Arbeit und füllte den Garten mit einem Brunnen aus Dutzenden Statuen. Giorgio Vasari pries ihn als einzigartig in Florenz. Doch Don Luigi verschuldete sich schwer, und 1573 verkaufte er den ganzen Brunnen an die Stadt Palermo.
Am 26. Mai 1574 kam er in Palermo an, zerlegt in 644 Teile. Manche Statuen waren unterwegs beschädigt worden, andere kamen nie an. Vor dem Rathaus wurden mehrere Häuser abgerissen, um Platz zu schaffen, und Francescos Sohn Camillo Camilliani baute ihn wieder auf und passte ihn dem neuen Ort an. Zusammen mit dem Bildhauer Michelangelo Naccherino vollendete er die Arbeit 1581. Platz und Rathaus tragen den Namen Pretoria nach dem Prätor, der einst an der Spitze der Stadtverwaltung stand.
Worauf du achten solltest
- Der Aufbau: konzentrische Becken mit Treppen und Balustraden, die zu einer Mittelsäule mit übereinanderliegenden Schalen ansteigen.
- Die Götter und Göttinnen: Figuren der olympischen Götter und anderer mythologischer Gestalten stehen rund um den Brunnen, die meisten nackt.
- Die Flussfiguren, die die Flüsse Palermos darstellen, und der Kranz aus Tierköpfen, aus denen einst Wasser in die Becken sprudelte.
- Die Schäden: fehlende Nasen und Finger, manche wieder angesetzt, und die Figur der Diana, die bis heute keinen Kopf hat, seit Diebe ihn 1975 zusammen mit dem der Venus stahlen.
- Das Gitter aus dem 19. Jahrhundert von Giovanni Battista Filippo Basile und die Adler an der Fassade des Rathauses dahinter, die ihm den Spitznamen Palazzo delle Aquile geben.
Nasen, Messina und der Platz der Schande
Der Spitzname Piazza della Vergogna wird meist auf zwei Arten erklärt: mit der Nacktheit der Statuen, die auf einem Platz voller Kirchen und Klöster viele schockierte, und mit einem Spott aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die nackten Figuren seien ein treffendes Bild einer Stadtregierung, die nichts mehr zu verbergen habe. Auch die abgeschlagenen Nasen haben ihre Legende, aufgezeichnet vom Volkskundler Giuseppe Pitrè: Leute aus Messina sollen sie im 17. Jahrhundert abgeschlagen haben, aus Rache dafür, dass Palermitaner dem Neptun am Brunnen von Messina die Finger abgebrochen hatten. Nimm es als Geschichte, nicht als Geschichtsschreibung.
Tipps für deinen Besuch
- Komm am Morgen, wenn das Licht auf den weißen Marmor fällt und der Platz noch ruhig ist.
- Geh einmal ganz um das Gitter herum: Jede Seite zeigt andere Figuren, und der Blick Richtung Kuppel von Santa Caterina ist der beste für Fotos.
- Schau im ehemaligen Kloster Santa Caterina nebenan vorbei, dessen Konditorei Süßes nach den alten Rezepten der Nonnen verkauft.
In der Nähe
- Quattro Canti: die barocke Straßenkreuzung von Via Maqueda und Via Vittorio Emanuele aus dem frühen 17. Jahrhundert, mit vier geschwungenen Fassaden, geschmückt mit Brunnen, den Jahreszeiten, spanischen Königen und den Stadtheiligen.
- Kirche Santa Caterina: die Barockkirche am Platz, innen mit farbigen Marmoreinlagen überzogen.
- La Martorana und San Cataldo: zwei arabisch-normannische Kirchen an der Piazza Bellini, gleich hinter dem Brunnen, die eine voller byzantinischer Mosaiken, die andere mit drei roten Kuppeln.
- Kathedrale von Palermo: die große Kathedrale an der Via Vittorio Emanuele, ein kurzes Stück westlich, eine Mischung aus normannischem, gotischem und späterem Stil.
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