
Die Rotunde ist der mächtige runde Ziegelbau gleich nördlich der Egnatia-Straße in Thessaloniki, ein paar Schritte oberhalb des Galeriusbogens. Der römische Kaiser Galerius ließ ihn Anfang des 4. Jahrhunderts errichten; seitdem war er römisches Monument, Kirche, Moschee und Museum, und das Minarett steht noch heute daneben. Innen, unter einer der weitesten erhaltenen antiken Kuppeln, findest du einige der frühesten christlichen Mosaiken im östlichen Mittelmeerraum.
Die Rotunde auf einen Blick
- Wo: Agios-Georgios-Platz (Plateia Agiou Georgiou), am oberen Ende der Dimitriou-Gounari-Straße, etwa eine Gehminute bergauf vom Galeriusbogen.
- Erbaut: um 306 n. Chr., als Teil des Palastviertels von Galerius.
- Was es heute ist: ein Denkmal unter der Verwaltung des Archäologischen Dienstes und eine Kirche des heiligen Georg, mit einer Liturgie etwa einmal im Monat und gelegentlichen Konzerten. Sie gehört zur UNESCO-Welterbestätte der frühchristlichen und byzantinischen Denkmäler von Thessaloniki, eingetragen 1988.
- Größe: innen etwa 24,5 Meter Durchmesser und fast 30 Meter hoch, mit über 6 Meter dicken Mauern.
- Zeitbedarf: 30–45 Minuten, länger, wenn du die Mosaiken genau ansehen willst.
Vom Kaiserbau zu Kirche, Moschee und zurück
Galerius herrschte über den Osten des Römischen Reichs und machte Thessaloniki zu einer seiner Residenzen. Die Rotunde stand am Ende einer Prachtstraße, die von seinem Palast am Triumphbogen vorbei zu diesem Rundbau führte. Wozu er diente, weiß niemand sicher: Tempel oder kaiserliches Mausoleum sind die wichtigsten Theorien. Galerius starb 311 und wurde anderswo begraben, im heutigen Serbien, als Grab hat der Bau also nie gedient. Noch vor Ende des 4. oder im 5. Jahrhundert wurde er zur Kirche: Im Osten kam eine Apsis hinzu, das Innere wurde mit Mosaiken ausgekleidet und den Erzengeln geweiht.
Unter osmanischer Herrschaft wurde die Kirche um 1590 zur Moschee, und daneben entstand ein Minarett. Nachdem Thessaloniki 1912 griechisch geworden war, wurde sie wieder als Kirche geweiht und diente in den folgenden Jahrzehnten zeitweise als Museum. Der Name Agios Georgios (heiliger Georg) stammt von einer kleinen Kirche, die daneben stand. Das Erdbeben von 1978 beschädigte den Bau, der danach jahrzehntelang eingerüstet war; nach einer umfassenden Restaurierung öffnete er Ende 2015 wieder für Besucher.
Worauf du achten solltest
- Die Kuppelmosaiken: Im untersten Band der Kuppel zeigen acht Felder Paare betender Männer in weißen Gewändern vor goldener Architektur mit Bögen, Pfauen und edelsteinbesetzten Säulen. Inschriften daneben nennen ihre Namen und einen Monat, wohl ihren Festtag.
- Die Gewölbe der Nischen: Die Bogennischen ringsum tragen noch Gold- und Silbermosaiken mit geometrischen Mustern, Vögeln, Früchten und Körben.
- Die Mauern: über 6 Meter römisches Ziegel- und Steinmauerwerk. Schau in die acht tiefen Nischen, die sie durchschneiden.
- Das Minarett: Der schlanke osmanische Turm neben dem Bau stammt aus den Jahrhunderten als Moschee.
- Der Hof: Geh einmal außen herum, um die für die Kirche angebaute Apsis und die Steine und Bauteile auf dem Gelände zu sehen.
Eine Kuppel voller verlorener Heiliger
Vollständig bedeckten die Mosaiken weit über tausend Quadratmeter und stiegen von den Heiligen im unteren Band über einen verlorenen mittleren Ring bis zu einer Christusfigur im Scheitel der Kuppel auf. Das meiste ist verloren: In der mittleren Zone sind nur Füße und Gewandsäume erhalten, im Zentrum nur Reste von Engeln, ein Regenbogenrand und Sterne. Fachleute streiten noch über die Datierung, von Ende des 4. bis ins 6. Jahrhundert, und darüber, ob die betenden Männer Märtyrer oder Stifter sind.
Tipps für deinen Besuch
- Komm am Vormittag oder am späten Nachmittag, wenn die tiefe Sonne durch die Fenster auf die Goldmosaiken fällt und es innen ruhiger ist.
- Nimm ein Fernglas mit oder nutze den Zoom am Handy: Die schönsten Mosaiken sind hoch oben in der Kuppel.
- Kleide dich wie für einen Kirchenbesuch und sprich leise, besonders wenn ein Gottesdienst oder eine Veranstaltung vorbereitet wird.
In der Nähe
- Galeriusbogen (Kamara): der Triumphbogen an der Egnatia-Straße mit Marmorreliefs von Galerius’ Krieg gegen die Perser, etwa eine Gehminute bergab.
- Galeriuspalast: die ausgegrabenen Reste des Kaiserpalasts rund um den Navarinou-Platz, wenige Gehminuten südlich.
- Hagia Sophia: die Kirche aus dem 8. Jahrhundert mit einem Kuppelmosaik der Himmelfahrt, ein kurzer Spaziergang westlich die Egnatia-Straße entlang.
- Kirche Agios Dimitrios: die Basilika des Stadtheiligen mit Krypta und frühen Mosaiken, weiter westlich im oberen Teil des Zentrums.
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