
Der Marktplatz, der Rynek, ist das Zentrum der Breslauer Altstadt und mit rund 3,6 Hektar einer der größten mittelalterlichen Marktplätze Europas. In seiner Mitte steht ein ganzer Gebäudeblock mit nicht einem, sondern zwei Rathäusern. Schau dir diesen Block genau an: Er ist um etwa sieben Grad gegenüber dem umgebenden Platz verdreht, und niemand hat bisher eindeutig erklärt, warum.
Der Marktplatz auf einen Blick
- Wo: im Zentrum der Altstadt, ein kurzes Stück südlich der Oder; zehn Straßen münden in ihn, je zwei an jeder Ecke.
- Angelegt: im 13. Jahrhundert, als die Stadt nach deutschem Stadtrecht gegründet wurde; der Plan wurde nach dem Mongolensturm von 1241 festgelegt.
- Heute: ein Fußgängerplatz voller Restaurants, Cafés und Geschäfte; im Alten Rathaus befindet sich das Museum für bürgerliche Kunst.
- Zeitbedarf: eine Stunde, um alle vier Seiten und die Gassen des Mittelblocks abzulaufen; länger, wenn du ins Museum gehst.
Vom mittelalterlichen Markt zum wiederaufgebauten Platz
Herzog Heinrich der Bärtige gründete die Stadt mit ihrem Marktplatz um 1232, nach dem Mongolensturm wurde sie 1241/42 neu gegründet. Der Platz wurde entlang der Handelsstraße Via Regia angelegt und in gleich breite Parzellen geteilt; im Lauf der Jahrhunderte wurden sie zu den heutigen 60 nummerierten Grundstücken geteilt und zusammengelegt. Viele Häuser tragen noch traditionelle Namen nach den Zeichen an ihren Fassaden, etwa Zu den Greifen oder Zur Blauen Sonne. Am gotischen Alten Rathaus wurde ab dem späten 13. Jahrhundert rund 250 Jahre gebaut, das Neue Rathaus daneben folgte 1860–64.
Um 1900 wurde ein großer Teil des Mittelblocks durch Büros und Geschäfte ersetzt, und 1931 entstand an der Nummer 11 ein zehnstöckiges modernes Bürohaus. Die Belagerung von 1945 hinterließ den Platz schwer beschädigt; nach dem Krieg bauten ihn vor allem Neusiedler aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten wieder auf, meist im Zustand des 18. Jahrhunderts. Als Ende der 1990er-Jahre das Pflaster erneuert wurde, fanden Archäologen die Fundamente der alten Großen Waage, mittelalterlicher Tuchhallen und Verkaufsstände.
Worauf du achten solltest
- Das Alte Rathaus: Geh einmal herum und schau dir die gotischen Staffelgiebel, die Erker und die reich verzierte Ostfassade an, die meistfotografierte Seite.
- Der Pranger: Der steinerne Pranger südöstlich des Rathauses ist eine Nachbildung jenes Prangers, an dem von 1492 bis ins 18. Jahrhundert öffentlich ausgepeitscht wurde.
- Aleksander Fredro: Die sitzende Bronzefigur des polnischen Komödiendichters kam 1956 aus Lwiw hierher. Sie ersetzte ein Denkmal Kaiser Wilhelms, das bis Kriegsende hier stand.
- Die Hauszeichen: Schau nach oben zu Greifen, Sonnen und anderen Emblemen, die den Häusern ihre Namen gaben, und vergleiche die Fassaden von Gotik bis Jugendstil.
- Rynek 11: Der schlichte zehnstöckige Bau von 1931 fällt zwischen den Giebelhäusern aus dem Rahmen und zeigt, wie nah der Platz einer modernen Umgestaltung kam.
- Die Zwerge: Kleine Bronzefiguren verstecken sich auf Gehwegen, Simsen und Laternenmasten rund um den Platz, oft in lustigen Posen.
Warum Breslau Zwerge hat
Die Zwerge, auf Polnisch krasnale, begannen als Protest. In den 1980er-Jahren malte die Bewegung Orange Alternative Comiczwerge auf die Stellen, an denen die Behörden regierungskritische Parolen übertüncht hatten, und nutzte sie bei absurden Straßenaktionen, die das kommunistische Regime verspotteten. Anfang der 2000er-Jahre begann die Stadt, zur Erinnerung an die Bewegung Bronzezwerge im Zentrum aufzustellen. Heute gibt es Hunderte, und die Suche nach ihnen ist für Besucher ein beliebtes Spiel.
Tipps für deinen Besuch
- Komm früh am Morgen, um die Fassaden ohne Menschenmengen und Terrassen zu sehen; abends ist der Platz belebt und beleuchtet.
- Geh durch die engen Gassen im Mittelblock, etwa Sukiennice, um die Rückseiten der Häuser und kleine Läden zu sehen.
- Nimm dir Zeit für die Zwergensuche: Sie sind kniehoch, also schau nach unten wie nach oben.
- Verbinde den Platz mit den Blumenständen am Plac Solny und den Häuschen Hänsel und Gretel an der Elisabethkirche, beide gleich neben den Ecken.
In der Nähe
- Plac Solny (Salzring): der kleinere Platz an der Südwestecke, früher ein Salzmarkt, heute bekannt für seine rund um die Uhr geöffneten Blumenstände.
- Elisabethkirche und Hänsel und Gretel: die hohe gotische Kirche an der Nordwestecke, mit zwei kleinen, durch einen Torbogen verbundenen Häusern an ihrem Eingang.
- Universität Breslau: das lange barocke Hauptgebäude an der Oder mit der prunkvollen Aula Leopoldina, ein kurzer Weg nach Norden.
- Die Passage: Jerzy Kalinas Bronzefiguren von Passanten, die im Pflaster versinken und auf der anderen Straßenseite wieder auftauchen, ein Spaziergang südwärts die Świdnicka-Straße entlang.
Breslau mit World City Trail entdecken
Unsere Schnitzeljagd in Breslau macht die Stadt zu einem Spiel, das du auf deinem Handy spielst. Die Route verbindet 10 Stationen und dauert etwa drei Stunden, davon rund 58 Minuten zu Fuß. Sie führt zur Skulptur Die Passage und zum Kopernikus-Park. Du kannst auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch oder Polnisch spielen.
Wenn dir ein anderes Format lieber ist, gibt es in Breslau auch einen selbstgeführten Stadtrundgang und ein Outdoor-Escape-Game.
Die Schnitzeljagd in Breslau spielen →
Den selbstgeführten Stadtrundgang durch Breslau machen →
Das Outdoor-Escape-Game in Breslau spielen →
Fakten geprüft im Oktober 2026.
