
Das Aquädukt Saint-Clément ist die Wasserleitung aus dem 18. Jahrhundert, die Quellwasser nach Montpellier brachte – bis zur Promenade du Peyrou, dem höchsten Punkt der Stadt. Der letzte Abschnitt, eine lange doppelte Reihe steinerner Bögen, prägt das Stadtbild so sehr, dass er einem ganzen Viertel den Namen gab: Les Arceaux, „die kleinen Bögen“. Der Ingenieur Henri Pitot nahm sich den römischen Pont du Gard zum Vorbild.
Das Aquädukt Saint-Clément auf einen Blick
- Wo: von der Promenade du Peyrou nach Westen entlang des Boulevard des Arceaux, am westlichen Rand der Altstadt.
- Erbaut: 1753–1765; der Grundstein wurde am 13. Juni 1753 gelegt, eingeweiht wurde das Aquädukt am 7. Dezember 1765.
- Von: Henri Pitot, einem französischen Wasserbauingenieur; das Wasserschloss am Peyrou stammt vom Montpellierer Architekten Jean-Antoine Giral.
- Was es heute ist: ein denkmalgeschütztes Bauwerk außer Betrieb, unter dessen Bögen Markt, Boulespieler und parkende Autos Platz finden.
- Zeitbedarf: 30–45 Minuten, um vom Peyrou die Bögen entlang und zurück zu gehen.
Drei Jahrhunderte Durst
Schon seit dem Mittelalter suchte Montpellier nach einem Weg, Wasser von außerhalb in die Stadt zu holen: König Karl VII. drängte bereits 1456 darauf, die Quelle von Saint-Clément zu fassen, 1673 wurde die Idee erneut geprüft. Erst 1751 beschloss der Stadtrat den Bau eines Aquädukts von Saint-Clément-de-Rivière im Norden bis zum Peyrou. Pitot übernahm vom Pont du Gard das Prinzip großer Bögen, die kleinere tragen – das verringerte die Gefahr von Rissen und Lecks.
Anfangs kamen am Wasserschloss des Peyrou etwa 25 Liter pro Sekunde an. Als die Stadt wuchs, wurde die Leitung 1859 nach Norden bis zur Quelle des Lez verlängert, und 1931 verzehnfachte eine neue unterirdische Leitung die Menge. 1983 wurde das Aquädukt stillgelegt. Teile stehen seit 1954 unter Denkmalschutz, seit 2022 gilt der Schutz für den gesamten Verlauf.
Worauf du achten solltest
- Die zwei Bogenreihen: Im Abschnitt der Arceaux tragen 53 große Bögen von je etwa acht Metern Spannweite 183 kleinere – drei kleine über jedem großen.
- Die Höhe: An der höchsten Stelle ragt das Bauwerk über 20 Meter auf, während der Kanal oben nur etwa 1,35 Meter breit ist.
- Der Mauerabschnitt am westlichen Ende beim Réservoir des Arcades, wo die kleinen Bögen auf einer durchgehenden Mauer statt auf großen Bögen sitzen.
- Die drei großen Bögen am östlichen Ende: Zwischen 1765 und 1775 gebaut, um die erste Terrasse der Promenade du Peyrou zu überspannen, ersetzten sie Pitots letzte vier Bögen.
- Das Wasserschloss auf dem Peyrou: ein eleganter Säulenpavillon, in dem das Aquädukt sein Wasser an die Brunnen der Stadt übergab.
Leben unter den Bögen
Das Aquädukt prägt bis heute den Alltag in Les Arceaux. Dienstags und samstags vormittags baut zu seinen Füßen ein Markt mit Gemüsebauern, Käsern und Bäckern aus der Region auf, viele davon bio. Unter den alten Platanen in der Nähe treffen sich Boulespieler wie auf einem Dorfplatz, und die Bögen rahmen fast jeden Blick.
Tipps für deinen Besuch
- Beginne an der Promenade du Peyrou: Von der Terrasse blickst du die Bögen entlang, bevor du neben ihnen hergehst.
- Der späte Nachmittag ist angenehm, wenn die tiefe Sonne den Stein anstrahlt und die Platanen den Boulevard beschatten.
- Komm an einem Markttag, wenn du regionale Produkte magst – rechne aber mit Gedränge und wenig Platz für Fotos.
- Die Bögen stehen zwischen Straßen und Parkplätzen; achte beim Fotografieren auf den Verkehr.
In der Nähe
- Promenade du Peyrou: die königliche Esplanade mit dem Reiterstandbild Ludwigs XIV. und weitem Blick, direkt am Ende des Aquädukts.
- Arc de Triomphe (Porte du Peyrou): das Triumphtor aus dem 17. Jahrhundert am Eingang zum Peyrou, wenige Gehminuten entfernt.
- Jardin des Plantes: 1593 gegründet, der älteste botanische Garten Frankreichs.
- Kathedrale Saint-Pierre: die gotische Kathedrale mit ihrem ungewöhnlichen Vorbau auf zwei riesigen Rundpfeilern.
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