Nürnberg: Kaiserburg, Schöner Brunnen und 3 weitere Orte

Dieser Guide führt durch die nördliche Hälfte der Nürnberger Altstadt, die Sebalder Seite der Pegnitz: die Kaiserburg auf ihrem Sandsteinfelsen, St. Sebald darunter, den Hauptmarkt mit der Frauenkirche, den Schönen Brunnen und die Fleischbrücke. Alle fünf liegen am selben Hang zwischen Fluss und Burg, du kannst sie also auf einem Spaziergang sehen und dabei die Geschichte der Stadt von ihrer ersten Erwähnung bis zum Wiederaufbau nach dem Krieg verfolgen.

Die Kaiserburg

Ohne die Burg gäbe es Nürnberg nicht. Die erste schriftliche Erwähnung ist eine Urkunde König Heinrichs III. von 1050, in der der Ort „Norenberc“ heißt. Was du heute siehst, sind eigentlich drei Anlagen auf einem Bergrücken: die eigentliche Kaiserburg, die Reste der Burggrafenburg, die 1420 zerstört und 1427 an die Stadt verkauft wurde, und Bauten der Stadt selbst, etwa der Turm Luginsland von 1377, von dem aus die Stadt die benachbarten Burggrafen beobachten konnte.

Jahrhundertelang wohnten die deutschen Könige und Kaiser hier, wenn sie nach Nürnberg kamen; Friedrich II. allein mindestens 16 Mal. Die Goldene Bulle von 1356 legte fest, dass jeder neu gewählte Herrscher seinen ersten Reichstag in Nürnberg abhalten sollte. 1944 und 1945 wurde die Burg schwer beschädigt, nur die Kaiserkapelle und der Sinwellturm blieben ganz erhalten. Heute zeigt der Palas die Dauerausstellung „Kaiser – Reich – Stadt“, und im ehemaligen Kornspeicher von 1494–1495, der Kaiserstallung, ist eine Jugendherberge.

  • Der runde Sinwellturm, der Bergfried aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts; „sinwell“ bedeutet im Mittelhochdeutschen vollkommen rund.
  • Der Tiefe Brunnen, dessen Schacht in etwa 50 Metern Tiefe auf Wasser stößt, und die romanische Doppelkapelle von um 1200 mit zwei übereinanderliegenden Kapellen.
  • Der Fünfeckturm über der Nordwand des Felsens, einer der ältesten Bauten auf dem Burgberg, und der Heidenturm neben der Kapelle, benannt nach den „heidnischen“ Bildern, die bei der Herrichtung der Burg für Karl V. entfernt wurden.

St. Sebald (Sebalduskirche)

St. Sebald ist die ältere der beiden großen Pfarrkirchen der Altstadt. Der Bau begann 1225 und war in den 1270er-Jahren als romanische Basilika mit einem Chor an jedem Ende fertig. Zwischen 1358 und 1379 ersetzte ein hoher gotischer Hallenchor das Ostende, die Türme wurden im 14. und 15. Jahrhundert erhöht. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt und danach restauriert. Johann Pachelbel, der Komponist des berühmten Kanons, war hier von 1695 bis 1706 Organist.

  • Das Sebaldusgrab im Chor, zwischen 1508 und 1519 von Peter Vischer dem Älteren und seinen Söhnen geschaffen; es birgt die Reliquien des Heiligen unter einem gotischen Bronzegehäuse.
  • Der Gegensatz zwischen dem niedrigen romanischen Langhaus im Westen und dem hohen, hellen gotischen Chor im Osten, der beide Bauphasen nebeneinander zeigt.

Hauptmarkt und Frauenkirche

Der Hauptmarkt hat eine dunkle Vorgeschichte. Im 12. Jahrhundert siedelten sich auf dem sumpfigen Gelände an der Pegnitz Juden an, und das jüdische Viertel lag schließlich mitten in der ummauerten Stadt. 1349 tötete ein Pogrom, das mit Zustimmung Kaiser Karls IV. geschah, fast 600 Juden und zerstörte das Viertel. Auf dem geräumten Land entstand der Marktplatz, und 1352 begann an der Ostseite der Bau der Frauenkirche, dort, wo die Synagoge gestanden hatte. 1933 benannten die Nationalsozialisten den Platz in Adolf-Hitler-Platz um und nutzten ihn für Aufmärsche zu den Reichsparteitagen.

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Die Frauenkirche entstand auf Initiative Karls IV., wahrscheinlich nach Plänen Peter Parlers, und wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört; nur die Langhausmauern und die Fassade blieben stehen, 1953 war die Instandsetzung abgeschlossen. Heute findet auf dem Platz ein Wochenmarkt statt, und im Advent steht hier der berühmte Christkindlesmarkt.

  • Das Männleinlaufen an der Fassade der Frauenkirche, zwischen 1506 und 1509 zur Erinnerung an die Goldene Bulle eingebaut: Mittags startet eine Glocke das Spiel, Trompeter und ein Trommler spielen, und die Kurfürsten ziehen um den thronenden Kaiser.

Der Schöne Brunnen

Der Schöne Brunnen steht an der Ecke des Hauptmarkts neben dem Rathaus. Er entstand zwischen 1385 und 1396, meist Heinrich Beheim zugeschrieben, und ragt wie ein gotischer Kirchturm rund 19 Meter auf. Seine vierzig bemalten Figuren zeigen auf vier Stufen das mittelalterliche Weltbild: unten die Philosophie und die sieben freien Künste, darüber die vier Evangelisten und vier Kirchenväter, dann die sieben Kurfürsten mit den Neun Guten Helden und ganz oben Mose mit sieben Propheten.

Was du siehst, ist nicht das Original. Der Brunnen wurde seit den 1820er-Jahren mehrmals restauriert und kopiert und 1912 in seiner heutigen Form neu errichtet; das erhaltene steinerne Original bewahrt das Germanische Nationalmuseum. Im Zweiten Weltkrieg war er einbetoniert und überstand so die Luftangriffe. Das schmiedeeiserne Gitter fertigte 1587 der Augsburger Schlosser Paulus Kuhn.

  • Die Ringe im Gitter: Zwei davon lassen sich drehen. Der Legende nach hat Kuhns Lehrling heimlich einen Ring ins Gitter eingearbeitet, bevor er die Stadt verließ, und wer ihn dreht, soll mit Kindersegen belohnt werden. Die meisten Besucher drehen den Messingring, doch viele Nürnberger halten den Eisenring auf der Nordostseite für den echten.

Die Fleischbrücke

Die Fleischbrücke überquert die Pegnitz wenige Schritte südlich des Hauptmarkts. Sie wurde 1596 bis 1598 gebaut und besteht aus einem einzigen flachen Steinbogen mit 27 Metern lichter Weite, damals der größte gemauerte Brückenbogen Deutschlands. Ihre Widerlager ruhen auf rund 2.000 Holzpfählen, viele davon schräg eingerammt, um den Schub des flachen Bogens aufzunehmen. Eine ähnliche Technik gab es kurz zuvor an der Rialtobrücke in Venedig, die neuere Forschung betont aber die Eigenständigkeit der Nürnberger Lösung. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Brücke fast unbeschadet.

  • Das Portal von 1599 am Nordende mit seinem steinernen Ochsen und einer lateinischen Inschrift, die sinngemäß scherzt: Alles hat einen Anfang und wächst, doch der Ochse, den du hier siehst, war nie ein Kalb.

So siehst du sie auf einem Spaziergang

Beginne an der Fleischbrücke und schau von der Mitte des Bogens auf den Fluss, dann geh nach Norden durch das Ochsenportal zum Hauptmarkt. Nimm dir Zeit für den Schönen Brunnen und schau dir, wenn du gegen Mittag da bist, das Männleinlaufen an der Frauenkirche an. Vom Platz geht es am Rathaus vorbei hinauf zu St. Sebald und weiter durch die alten Gassen bergauf zur Kaiserburg. Zum Schluss liegt dir von den Burgterrassen die ganze Altstadt zu Füßen, mit den Türmen von St. Lorenz auf der anderen Flussseite.

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