
Der Platz von Hiroshima ist ein kleiner, stiller Platz neben der Propsteikirche in der Dortmunder Innenstadt, nur wenige Schritte vom Einkaufstrubel auf dem Westenhellweg entfernt. In seiner Mitte sitzt die Mutter Hiroshima, eine Bronzefigur einer sitzenden Frau mit einem toten Kind auf dem Schoß, die der Dortmunder Bildhauer Anselm Treese 1958 geschaffen hat. Der Platz trägt den Namen der japanischen Stadt, die am 6. August 1945 von einer Atombombe zerstört wurde, und hier erinnert Dortmund an diesen Tag.
Der Platz von Hiroshima auf einen Blick
- Wo: neben der Propsteikirche St. Johannes Baptist, der katholischen Kirche der Dortmunder Innenstadt, direkt am Westenhellweg.
- Entstanden: die Skulptur 1958; seit 1999 steht sie an dieser Stelle, und kurz darauf erhielt der Platz seinen Namen.
- Von: Anselm Treese (1930–2004), einem Bildhauer aus Dortmund.
- Was er heute ist: ein kleiner Gedenkplatz für den Frieden und der Ort, an dem die Stadt am 6. August den Hiroshima-Tag begeht.
- Zeitbedarf: 10 bis 15 Minuten, länger, wenn du auch in die Kirche gehst.
Von einer Bronze aus dem Jahr 1958 zu einem Platz für den Frieden
Anselm Treese wurde 1930 geboren und lebte und arbeitete in Dortmund-Loh im Süden der Stadt. Die Mutter Hiroshima schuf er 1958, dreizehn Jahre nach dem Abwurf. In diesem Jahr gab es in der Bundesrepublik große Proteste gegen die Pläne, die junge Bundeswehr mit Atomwaffen auszurüsten, und die Gefahr der Bombe war ein Thema, an dem kaum jemand vorbeikam. Treese griff ein altes Bild der europäischen Kunst auf, die Mutter mit ihrem toten Sohn, wie man sie von der Pietà kennt, und machte daraus eine einfache Frau in einer Stadt am anderen Ende der Welt.
1999 wurde die Bronze an ihren heutigen Platz neben der Propsteikirche versetzt, und bald darauf erhielt der Ort den Namen Platz von Hiroshima. 2010, als das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas war, legten Auszubildende der Stadtverwaltung im Rahmen einer lokalen Mitmachwoche einen kleinen Zen-Garten auf dem Platz an. Am 6. August wird der Platz zum Treffpunkt für das Dortmunder Gedenken zum Hiroshima-Tag. 2025, zum 80. Jahrestag, organisierten es die Deutsch-Japanische Gesellschaft Dortmund und die Dortmunder Gruppe der IPPNW, der internationalen Ärzteorganisation gegen den Atomkrieg, im Gedenken an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki und an die Überlebenden, die Hibakusha.
Worauf du achten solltest
- Die Haltung der Figur: Die Frau sitzt, das Kind liegt quer über ihrem Schoß, eine Komposition, die an die Pietà der christlichen Kunst erinnert. Geh einmal um die Figur herum und betrachte sie auch von der Seite.
- Der Garten: Der kleine Zen-Garten von 2010 ist ein bewusster Gruß nach Japan und gibt dem Platz eine Ruhe, die den umliegenden Straßen fehlt.
- Die Propsteikirche dahinter: Die gotische Kirche wurde ab 1331 für die Dominikaner gebaut und ist heute die einzige katholische Kirche in der Innenstadt.
- Der Kontrast zur Straße: Das Mahnmal liegt nur wenige Schritte von der wichtigsten Einkaufsstraße der Stadt entfernt, und innerhalb einer Minute wechselst du vom Lärm in fast völlige Stille.
Warum eine Pietà für Hiroshima?
Die Skulptur zeigt keine Ruinen und keinen Atompilz, nur eine Frau und ein Kind. Dadurch wird das Mahnmal persönlich statt technisch: Es geht um Verlust, nicht um die Waffe. Neben einer mittelalterlichen Kirche, deren Hochaltar die Passion und die Kreuzigung erzählt, lädt es dazu ein, zwei Arten der Trauer zu vergleichen, die Jahrhunderte auseinanderliegen.
Tipps für deinen Besuch
- Komm am Morgen oder am frühen Abend, wenn es in der Innenstadt ruhiger ist und du auf dem Platz einen Moment innehalten kannst.
- Dies ist ein Mahnmal: Sprich leise, und klettere nicht auf die Skulptur und lehn dich nicht daran an.
- Geh auch in die Propsteikirche und sieh dir den spätgotischen Hochaltar von Derick Baegert an. Auf der linken Tafel ist im Hintergrund die älteste bekannte Ansicht von Dortmund zu sehen.
- Wenn du um den 6. August in Dortmund bist, schau nach, ob auf dem Platz ein Gedenken zum Hiroshima-Tag geplant ist.
In der Nähe
- Westenhellweg: Die wichtigste Einkaufsstraße Dortmunds beginnt direkt vor dem Platz, ideal, wenn du den Besuch mit einem Bummel durch die Innenstadt verbinden willst.
- Reinoldikirche: die evangelische Hauptkirche der Stadt, benannt nach dem Dortmunder Stadtpatron, ein kurzes Stück zu Fuß Richtung Osten.
- Marienkirche: gegenüber der Reinoldikirche, mit romanischen Bauteilen aus dem 12. Jahrhundert und schönen mittelalterlichen Altären.
- Dortmunder U: das ehemalige Brauereigebäude mit dem riesigen goldenen U auf dem Dach, heute ein Zentrum für Kunst und Kreativität, ein kurzes Stück zu Fuß Richtung Westen.
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