Jesuitenkirche in Heidelberg: Barockkirche, später Turm und Kirchenschatz

The Jesuit Church (Jesuitenkirche) in Heidelberg

Die Jesuitenkirche ist die wichtigste katholische Kirche der Heidelberger Altstadt, eine Barockkirche aus rotem Sandstein in der Schulgasse, einen Block hinter dem Universitätsplatz. Ihr Bau dauerte fast ein halbes Jahrhundert, von 1712 bis 1759, und den Glockenturm bekam sie erst mehr als hundert Jahre später.

Die Jesuitenkirche auf einen Blick

  • Wo: Schulgasse in der Altstadt, mitten im ehemaligen Jesuitenviertel, ein paar Schritte südlich von Hauptstraße und Universitätsplatz.
  • Erbaut: 1712–1759; der neobarocke Turm folgte zwischen 1868 und 1872.
  • Von: Pläne von Johann Adam Breunig; die Vollendung leitete der Mannheimer Hofbaumeister Franz Wilhelm Rabaliatti.
  • Was sie heute ist: die katholische Pfarrkirche Heilig Geist, genutzt für Gottesdienste und Konzerte, mit angeschlossenem Museum für Sakrale Kunst und Liturgie.
  • Zeitbedarf: 20–30 Minuten für die Kirche, etwa eine Stunde mit dem Museum.

Von der Kirche der Jesuiten zur Pfarrkirche

Die Kirche war ein Projekt der katholischen Kurfürsten von der Pfalz, die ab 1685 über eine überwiegend protestantische Stadt herrschten und die Jesuiten holten, um das katholische Leben zu stärken. Kurfürst Johann Wilhelm ließ sie 1712 nach Plänen von Breunig beginnen, der auch die nahe Alte Universität entwarf. Nach seinem Tod 1716 geriet sein Nachfolger Karl Philipp mit dem protestantischen Kirchenrat in Streit und verlegte seinen Hof nach Mannheim, und der Bau kam fast zum Erliegen. Erst unter Kurfürst Karl Theodor ging es 1749 weiter, und 1759 wurde die Kirche unter Rabaliatti vollendet.

1773 hob der Papst den Jesuitenorden auf, und das Gebäude diente eine Zeit lang als Lazarett. 1809 wurde es Pfarrkirche der katholischen Gemeinde Heilig Geist, die sich bis dahin die Heiliggeistkirche am Marktplatz mit den Protestanten geteilt hatte. Den Turm, den die Barockbaumeister nie vollendet hatten, ergänzte man zwischen 1868 und 1872 im neobarocken Stil. Bei einer Renovierung 2001–2004 wurde der Altarbereich neu gestaltet, 2009 und 2014 kamen neue Orgeln hinzu. In der Krypta liegt Kurfürst Friedrich I., genannt der Siegreiche, der 1476 starb.

Worauf du achten solltest

  • Die Fassade: eine hohe, gestaffelte Front aus rotem Neckarsandstein mit Säulen, Pilastern und Bildhauerschmuck am Giebel.
  • Der Turm: Vergleich ihn mit der Kirche darunter. Er greift die barocken Formen auf, ist aber über hundert Jahre jünger als das Langhaus.
  • Der Innenraum: eine helle dreischiffige Hallenkirche mit gleich hohen Schiffen, getrennt durch hohe Pfeiler. Von der barocken Ausstattung ist wenig erhalten, deshalb wirkt der Raum licht und ruhig.
  • Die Orgeln: die Hauptorgel von 2009 und eine kleinere zweite Orgel von 2014, beide von der Schweizer Orgelbaufirma Kuhn.
  • Der Kirchenschatz: Im Museum für Sakrale Kunst und Liturgie findest du eine große Silbermadonna von J. Ignaz Saller aus dem Jahr 1736, Augsburger Goldschmiedekunst und laut Museum die älteste Glocke Heidelbergs, um 1400 gegossen.
  • Das Jesuitenviertel: Rund um die Kirche stehen das ehemalige Jesuitengymnasium und das Seminarium Carolinum, die heute beide von der Universität genutzt werden.

Ein katholisches Viertel in einer protestantischen Stadt

Die Kirche ist das Herzstück des Jesuitenviertels, das im 18. Jahrhundert als katholisches Gegengewicht in einer Stadt entstand, deren Universität und Bürger überwiegend protestantisch waren. Die Jesuiten betrieben hier ein Gymnasium und ein Seminar, bis ihr Orden aufgehoben wurde. Heute sitzt im früheren Gymnasium das Philosophische Seminar und im Carolinum die Universitätsverwaltung: Das Viertel ist still und leise Teil der Universität geworden, mit der es einst konkurrierte.

Tipps für deinen Besuch

  • Es ist eine aktive Pfarrkirche: Komm außerhalb der Gottesdienste, sprich leise und lauf während der Messe nicht herum.
  • Die Schulgasse ist eng. Um Fassade und Turm auf ein Foto zu bekommen, stell dich auf die gegenüberliegende Straßenseite und nimm ein Weitwinkelobjektiv.
  • Halte Ausschau nach Konzerten: Die Kirche ist eine der Spielstätten des Musikfestivals Heidelberger Frühling.
  • Verbinde den Besuch mit dem Universitätsplatz und der Alten Universität, nur ein, zwei Minuten entfernt.

In der Nähe

  • Alte Universität und Studentenkarzer: das barocke Universitätsgebäude, ebenfalls von Breunig, und dahinter der Karzer, in den zwischen 1778 und 1914 Studenten gesperrt wurden.
  • Heiliggeistkirche: die gotische Kirche am Marktplatz, ein paar Gehminuten entfernt, früher von Katholiken und Protestanten gemeinsam genutzt.
  • Kurpfälzisches Museum: das Stadtmuseum an der Hauptstraße im Palais Morass von 1712, ebenfalls ein Bau von Breunig.
  • Alte Brücke und Brückenaffe: der Bronzeaffe am altstadtseitigen Ende der Brücke, etwa zehn Minuten zu Fuß.

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