Hauptmarkt in Nürnberg: der Platz, wo einst das jüdische Viertel stand

The Hauptmarkt in Nuremberg with the Frauenkirche

Der Hauptmarkt ist Nürnbergs zentraler Marktplatz, die freie Fläche zwischen der Sebalder und der Lorenzer Altstadt, mit der gotischen Frauenkirche an der Ostseite und dem Schönen Brunnen in der Nordwestecke. Jeden Tag außer sonntags füllt er sich mit Marktständen, jeden Advent mit dem Christkindlesmarkt. Kaum ein Besucher weiß, dass es den Platz nur gibt, weil 1349 das jüdische Viertel der Stadt zerstört wurde.

Der Hauptmarkt auf einen Blick

  • Wo: mitten in der Altstadt, knapp nördlich der Pegnitz, zwischen den Pfarreien St. Sebald und St. Lorenz.
  • Entstanden: 1349, nach der Zerstörung des jüdischen Viertels an dieser Stelle; die Frauenkirche folgte in den 1350er-Jahren.
  • Was er heute ist: Nürnbergs Hauptplatz, mit einem Markt von Montag bis Samstag, auf dem Obst, Gemüse, Blumen und Rostbratwürste verkauft werden, und Schauplatz des Christkindlesmarkts von Ende November bis zum 24. Dezember.
  • Zeitbedarf: 20–30 Minuten; plane ein, um zwölf Uhr mittags hier zu sein, um die Uhr an der Frauenkirche zu sehen.

Vom jüdischen Viertel zum Marktplatz

Im Mittelalter lebte auf dem tief gelegenen, sumpfigen Gelände an der Pegnitz die jüdische Gemeinde Nürnbergs, mit Wohnhäusern und einer Synagoge. 1349, in der Verfolgungswelle, die während der Pest über Europa hinwegging, wollte der Stadtrat das Gelände für einen großen Marktplatz. Kaiser Karl IV. gab im Voraus seine Zustimmung, auch zum Abriss der Synagoge, und im Dezember 1349 überfiel eine Menge das Viertel: Mehrere hundert Juden wurden ermordet, die Überlebenden vertrieben. Die Häuser wurden abgerissen, und an der Stelle der Synagoge entstand die Frauenkirche als kaiserliche Kapelle, geweiht 1358.

Der Platz wurde danach zur Bühne des städtischen Lebens: Märkte, Feste und Kaiserbesuche. In der NS-Zeit wurde er in Adolf-Hitler-Platz umbenannt, ein Zeichen dafür, wie eng sich das Regime mit Nürnberg, der Stadt der Reichsparteitage, verband. Die Bomben des Zweiten Weltkriegs zerstörten den größten Teil der Altstadt; am 2. Januar 1945 brannte die Frauenkirche aus, nur Mauern und Fassade blieben stehen, während der eingemauerte Schöne Brunnen überstand. Die Kirche war bis 1953 wiederhergestellt, und nach dem Krieg erhielt der Platz seinen alten Namen Hauptmarkt zurück.

Worauf du achten solltest

  • Das Männleinlaufen: die mechanische Uhr an der Fassade der Frauenkirche, gebaut 1506–1509. Jeden Tag um zwölf Uhr ziehen die sieben Kurfürsten am thronenden Kaiser Karl IV. vorbei, eine Szene, die an die Goldene Bulle von 1356 erinnert, das Reichsgesetz über die Wahl des Kaisers.
  • Die Fassade der Frauenkirche: ein gotischer Stufengiebel mit kleinem Balkon, von dem aus das Christkind jedes Jahr den Weihnachtsmarkt eröffnet, eine Tradition seit 1948.
  • Der Schöne Brunnen: der gotische Brunnen aus dem 14. Jahrhundert in Form einer Turmspitze, mit 40 Figuren und einem Messingring im Gitter, den Besucher für Glück drehen.
  • Die Marktstände: Obst, Gemüse, Blumen und gegrillte Nürnberger Rostbratwürste, die fingergroßen Würstchen, die zu dritt im Brötchen serviert werden.
  • Die Form des Platzes selbst: eine große, fast leere Fläche in einer Stadt enger Gassen, die deutlichste Spur des Viertels, das hier einst stand.

Erinnerung an 1349

Auf dem Platz selbst weist kaum etwas auf seine Entstehung hin. Abgesehen von der Frauenkirche, die dort steht, wo die Synagoge war, gibt es hier kein großes Denkmal, und der Hauptmarkt ist schon als Leerstelle der jüdischen Geschichte der Stadt bezeichnet worden. Umso mehr lohnt es sich, in der Mitte des Platzes kurz innezuhalten: Die Fläche um dich herum ist nicht aus Liebe zur Schönheit entstanden, sondern durch die Ermordung und Vertreibung einer ganzen Gemeinde.

Tipps für deinen Besuch

  • Sei ein paar Minuten vor zwölf vor der Frauenkirche und stell dich Richtung Brunnen zurück: Die Uhr hängt hoch, und aus der Platzmitte siehst du die Kurfürsten am besten.
  • Hol dir an einem der Stände oder in einer der Bratwurstküchen in der Nähe „Drei im Weggla“ (drei Bratwürste im Brötchen) und iss sie im Stehen, wie die Nürnberger.
  • Während des Christkindlesmarkts ist der Platz sehr voll, besonders an Wochenendabenden. Komm an einem Werktagmorgen, um die Stände in Ruhe anzuschauen.

In der Nähe

  • St. Sebald: Nürnbergs älteste Pfarrkirche, ein paar Gehminuten nördlich, mit Peter Vischers Bronzegrabmal des heiligen Sebald.
  • Altes Rathaus: das Renaissance-Rathaus gleich nordwestlich des Platzes, mit mittelalterlichen Lochgefängnissen im Keller.
  • Fleischbrücke: die einbogige Steinbrücke über die Pegnitz vom Ende des 16. Jahrhunderts, eine Minute südlich des Platzes, mit einem steinernen Ochsen über dem Torbogen.
  • St. Lorenz: die zweitürmige gotische Kirche jenseits des Flusses, mit dem Englischen Gruß von Veit Stoß, der im Chor hängt.

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