
Die Fleischbrücke führt den Hauptweg vom Nürnberger Hauptmarkt nach Süden über die Pegnitz in Richtung St. Lorenz. Ihr einziger, sehr flacher Steinbogen, 1598 vollendet, war damals die größte Spannweite einer Steinbrücke in Deutschland, und seit 1599 wacht ein steinerner Ochse über ihrem Portal über den Übergang.
Die Fleischbrücke auf einen Blick
- Wo: direkt südlich des Hauptmarkts in der Nürnberger Altstadt; sie verbindet die Sebalder und die Lorenzer Stadtseite über die Pegnitz.
- Gebaut: 1596–1598 als Ersatz für frühere Brücken an dieser Stelle; das Ochsenportal kam 1599 hinzu.
- Von: Gründung und Lehrgerüst vom Zimmermeister Peter Carl, Steinmetzarbeiten vom Steinmetzmeister Jakob Wolff, unter der Leitung des Ratsbaumeisters Wolf Jacob Stromer.
- Was sie heute ist: eine denkmalgeschützte Brücke im täglichen Gebrauch, 2011 als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland ausgezeichnet.
- Zeitbedarf: 10–15 Minuten, länger, wenn du für den Seitenblick hinunter ans Ufer gehst.
Vom Holzsteg zum Renaissancebogen
Hier, an der engsten Stelle der Pegnitz, gibt es seit etwa 1200 einen Übergang, und 1335 wird erstmals eine „Fleischbrücke“ erwähnt, benannt nach einem benachbarten Fleischhaus. Die frühen Brücken hielten nicht lange: Eine Holzbrücke brannte 1418 ab, ein Hochwasser zerstörte 1432 ihre Nachfolgerin, und eine 1487 gebaute Steinbrücke mit Mittelpfeiler wurde 1595 vom Hochwasser so schwer beschädigt, dass die Stadt einen Neubau beschloss. Die neue Brücke sollte ohne Pfeiler im Fluss auskommen, damit sie das Wasser nicht staute, und für die Fuhrwerke so flach wie möglich sein.
Die Lösung war ein einziger Segmentbogen mit 27 Metern lichter Weite und nur 4,2 Metern Pfeilhöhe, zwischen 1596 und 1598 aus rötlichem Sandstein gebaut. Der flache Bogen drückt stark zur Seite, deshalb stehen die Widerlager auf über 2.000 Holzpfählen, rund 400 davon schräg eingerammt, eine im 16. Jahrhundert sehr seltene Bauweise. Stromer besaß ein Holzmodell der Rialtobrücke in Venedig, die eine ähnliche Gründung hat, doch die Forschung sieht in der Nürnberger Brücke keine Kopie. Den Zweiten Weltkrieg überstand sie fast unbeschädigt, und seit 1599 hat sie sich kaum verändert.
Worauf du achten solltest
- Das Ochsenportal am Nordufer, gekrönt von einem liegenden Steinochsen. Die heutige Figur ist ein Ersatz von 1951 für das Original.
- Die lateinische Inschrift unter dem Ochsen, die scherzt, der Ochse, den du hier siehst, sei nie ein Kalb gewesen.
- Der Bogen selbst: Geh hinunter ans Ufer, um zu sehen, wie niedrig und flach er für seine Breite ist.
- Die beiden kleinen Kanzeln in der Brückenmitte; an ihren Außenseiten sitzen die steinernen Wappen der sieben damaligen Ratsherren, sichtbar vom Wasser aus, nicht von der Brücke.
- Die Ehrentafel am südlichen Ende in Richtung Kaiserstraße, die die Brücke als Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst ausweist.
Die Brücke, nach der die Häuser zählen
Seit den 1860er-Jahren ist die Fleischbrücke der Nullpunkt für die Hausnummern der Nürnberger Altstadt: In jeder Straße beginnt die Zählung an dem Ende, das der Brücke am nächsten liegt. Die enge Durchflussstelle hat aber auch eine Kehrseite. Beim großen Hochwasser von 1909 staute sich das Wasser hinter ihr und überschwemmte weite Teile der Altstadt, und nach 1945 gab es sogar Pläne, sie abzureißen. Stattdessen baute man einen unterirdischen Entlastungsstollen, der das Hochwasser um sie herumleitet.
Tipps für deinen Besuch
- Sieh dir die Brücke vom Ufer aus und von oben an: Von oben merkt man kaum, dass man auf einer Brücke steht.
- Im Advent füllt der Christkindlesmarkt den Hauptmarkt direkt nördlich der Brücke, rechne also mit Gedränge.
- Verbinde den Besuch mit einem Spaziergang die Pegnitz entlang nach Osten zur Museumsbrücke, mit Blick auf das Heilig-Geist-Spital über dem Fluss.
- Komm früh am Morgen, wenn du Brücke und Ochsenportal ohne Menschenmengen sehen willst.
In der Nähe
- Hauptmarkt und Schöner Brunnen: der Hauptplatz mit seinem gotischen Brunnen in Form einer Turmspitze, eine Minute nördlich.
- Frauenkirche: die gotische Kirche am Hauptmarkt mit dem Männleinlaufen, bei dem mittags kleine Figuren vorbeiziehen.
- St. Lorenz: die große gotische Kirche der südlichen Altstadt, wenige Gehminuten entfernt.
- Heilig-Geist-Spital: das mittelalterliche Spital über der Pegnitz, am schönsten von der Museumsbrücke aus.
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