
Der Schöne Brunnen ist der gotische Brunnen auf dem Hauptmarkt, dem zentralen Marktplatz Nürnbergs. Er entstand 1385–1396, ist rund 17 Meter hoch und sieht eher wie eine Kirchturmspitze aus als wie ein Brunnen. Seine 40 Steinfiguren, in Stockwerken angeordnet, zeigen das mittelalterliche Weltbild von den Philosophen bis zu den Propheten. Die meisten Besucher suchen allerdings etwas viel Kleineres: den goldfarbenen Ring im Gitter, den man für Glück dreht.
Der Schöne Brunnen auf einen Blick
- Wo: auf dem Hauptmarkt in der Altstadt, dem Platz vor der Frauenkirche.
- Erbaut: 1385–1396, im Stil der Hochgotik.
- Von: dem Baumeister Franz Pfintzing; ab 1389 leitete der Steinmetz Heinrich Beheim der Ältere die Arbeiten.
- Was er heute ist: ein funktionierender Brunnen, dessen Figuren Kopien aus den Jahren 1902–1903 aus wetterfestem Muschelkalk sind; die letzte große Restaurierung fand 2015–2016 statt.
- Zeitbedarf: 10–15 Minuten, länger, wenn du alle Figuren bestimmen willst.
Sechs Jahrhunderte Reparaturen
Der Brunnen wurde aus weichem Schilfsandstein gebaut und farbig bemalt. Das machte ihn schön und zugleich empfindlich, und seine Geschichte ist eine lange Liste von Reparaturen. 1490 bemalte ihn Michael Wolgemut neu, in dessen Werkstatt der junge Albrecht Dürer gelernt hatte. Georg Pencz leitete 1540–1541 eine erste große Restaurierung, und 1586–1587 erhielt der Brunnen das Renaissancegitter mit Arabesken, das ihn bis heute umgibt, gefertigt von einem Augsburger Kunstschlosser.
1821–1824 wurde die Pyramide abgetragen und neu aufgebaut, und zwischen 1898 und 1903 führte Baurat Heinrich Wallraff den Brunnen in seine ursprüngliche gotische Form zurück und ersetzte die verwitterten Figuren durch die Kopien, die du heute siehst. Im Zweiten Weltkrieg, von 1942 bis 1945, wurde der Brunnen zum Schutz vor Bomben eingemauert und überstand die Angriffe, die große Teile der Altstadt zerstörten. Bei der jüngsten Restaurierung 2015–2016 bekam die Spitze innen ein Edelstahlkorsett, dazu eine LED-Beleuchtung, die am 16. November 2016 erstmals eingeschaltet wurde.
Worauf du achten solltest
- Die untere Ebene: die Philosophie und die sieben freien Künste (acht Figuren, darunter Aristoteles, Pythagoras, Euklid und Cicero), die vier Evangelisten und die vier Kirchenväter.
- Die mittlere Ebene: die sieben Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches und die Neun Guten Helden, drei heidnische (Hektor, Alexander der Große, Julius Caesar), drei jüdische (Josua, David, Judas Makkabäus) und drei christliche (König Artus, Karl der Große, Gottfried von Bouillon).
- Die obere Ebene: Mose und sieben Propheten, darunter Jesaja, Jeremia und Daniel.
- Die kleinen Köpfe: Acht kleine Köpfe an den Rundpfeilern sollen Feinde Nürnbergs darstellen. Zwei gelten als Raubritter, einer davon der berüchtigte Eppelein von Gailingen.
- Die Wasserspeier: Fabelwesen und ein Storch, dazu Löwenmasken rund um den Beckenfuß.
Der Ring im Gitter
Im Gitter sitzt ein goldfarbener Messingring, schon vor Jahrhunderten in Quellen erwähnt, den Besucher drehen, während sie sich etwas wünschen. Der Legende nach arbeitete ein Schlosserlehrling ihn so geschickt ins Gitter ein, dass keine Naht zu finden war, um seinem Meister, dessen Tochter er heiraten wollte, sein Können zu beweisen. Es ist nur eine Legende, und alt ist der Ring, den du anfasst, auch nicht: Der heutige wurde 1950 zum 900-jährigen Stadtjubiläum gefertigt und 1956–1957 nach wiederholten Diebstahlsversuchen repariert.
Tipps für deinen Besuch
- Komm am Vormittag, bevor auf dem Hauptmarkt viel los ist, wenn du freien Blick auf den ganzen Brunnen willst.
- Sei mittags an der Frauenkirche: Die Kunstuhr an ihrer Fassade, das Männleinlaufen, zeigt die sieben Kurfürsten, die um den Kaiser ziehen.
- Im Advent füllt der Christkindlesmarkt den Hauptmarkt, von Ende November bis Heiligabend. Rechne mit Gedränge und einer Schlange am Ring.
In der Nähe
- Frauenkirche: die Kirche aus dem 14. Jahrhundert an der Ostseite des Hauptmarkts, erbaut an der Stelle der Synagoge, die beim Pogrom von 1349 zerstört wurde.
- St. Sebald: Nürnbergs älteste Pfarrkirche, ein paar Gehminuten nördlich, mit Peter Vischers bronzenem Sebaldusgrab.
- St. Lorenz: die gotische Kirche mit den zwei Türmen jenseits der Pegnitz, mit dem Englischen Gruß von Veit Stoß im Chor.
- Kaiserburg: die Burg über der Altstadt, etwa zehn Minuten bergauf, mit Blick über die Dächer Nürnbergs.
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