Red Square in St. Gallen: Pipilotti Rist’s Outdoor Living Room

The Red Square (Stadtlounge) in St. Gallen

Der Rote Platz, offiziell die Stadtlounge, ist ein Ensemble von Straßen im St. Galler Bleicheli-Quartier, das von Hauswand zu Hauswand mit einem weichen roten Belag überzogen ist. Die Künstlerin Pipilotti Rist und der Architekt Carlos Martinez entwarfen es als öffentliches Wohnzimmer zwischen Bürobauten, mit Sofas, Tischen, einem Brunnen und sogar einem Auto unter derselben roten Haut. Eröffnet wurde es im November 2005.

Der Rote Platz auf einen Blick

  • Wo: im Bleicheli, dem Bankenviertel zwischen Hauptbahnhof und Altstadt, rund um den Hauptsitz der Raiffeisen-Gruppe.
  • Eröffnet: 3. November 2005, nach einem Gestaltungswettbewerb; der rote Belag wurde 2020 erneuert.
  • Von: der Künstlerin Pipilotti Rist mit Carlos Martinez Architekten.
  • Was es heute ist: ein frei zugänglicher öffentlicher Raum von rund 2.600 Quadratmetern, Tag und Nacht offen, genutzt als Mittagspausenplatz, Treffpunkt und Spielplatz.
  • Zeitbedarf: 15–30 Minuten, dazu ein zweiter Blick nach Einbruch der Dunkelheit, wenn die Lampen leuchten.

Von Textilfabriken zum roten Teppich

Das Bleicheli liegt direkt außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern. Sein Name erinnert an die Bleichen, auf denen früher das Leinen der Stadt in der Sonne ausgelegt wurde. Im 19. Jahrhundert, als St. Gallen eines der großen Stickereizentren der Welt war, füllte sich das Quartier mit Textilfabriken. Im 20. Jahrhundert übernahmen Banken und Versicherungen, und es entstand ein Viertel zweckmäßiger Bürobauten, durch das man eher hindurchging, als dass man blieb.

Um das zu ändern, schrieben die Stadt St. Gallen und die Raiffeisen-Gruppe, die hier ihren Hauptsitz hat, einen Gestaltungswettbewerb aus. Pipilotti Rist und Carlos Martinez gewannen mit der Idee eines öffentlichen Wohnzimmers: Statt eines Platzes mit ein paar Bänken behandelten sie die Straßen wie einen Innenraum, mit Boden, Möbeln und Deckenleuchten. Die Stadtlounge wurde am 3. November 2005 eröffnet. Sie gehört gemeinsam der Stadt, Raiffeisen Schweiz und der Raiffeisen-Pensionskasse, und 2020 wurde der abgenutzte rote Boden durch einen neuen Polyurethan-Belag ersetzt.

Worauf du achten solltest

  • Der rote Boden: ein weicher, leicht federnder Belag, der gleichermaßen über Gehwege, Randsteine, Bänke und den Brunnen läuft, als hätte man einen Teppich über die Straße gegossen.
  • Das Auto: ein Sportwagen mitten in der Lounge, überzogen mit demselben Rot wie alles andere. Es ist das meistfotografierte Objekt auf dem Platz.
  • Die Lounge-Möbel: runde Sofas abseits des Gehwegs, rundliche Sessel um niedrige Tische und lange Bänke und Tische, an denen etwa 20 Personen draußen eine Sitzung abhalten können.
  • Die hängenden Lampen: große ovale Leuchten hängen an Seilen zwischen den Bürohäusern wie schwebende Steine. Im Dunkeln leuchten sie in wechselnden Farben.
  • Der Kontrast: Tritt ein paar Schritte zurück und sieh, wie das Rot auf die grauen und gläsernen Fassaden der Banken trifft. Genau dieser Zusammenstoß ist die Idee des Werks.

Warum alle Roter Platz sagen

Offiziell heißt der Ort Stadtlounge, doch fast alle in St. Gallen nennen ihn Roter Platz, einfach wegen der Farbe. Pipilotti Rist, 1962 in Grabs im Kanton St. Gallen geboren, ist vor allem für farbenfrohe Videoinstallationen und weiche, begehbare Räume bekannt. Hier hat sie Ähnliches mit einer ganzen Straße gemacht, und weil sie allen offensteht, funktioniert das Werk erst, wenn Menschen es benutzen.

Tipps für deinen Besuch

  • Komm am besten zweimal: bei Tageslicht für Fotos vom Rot vor den Bürofassaden und nach Einbruch der Dunkelheit, wenn die Lampen ihre Farbe wechseln.
  • Setz dich und nutze den Ort. Die Lounge ist öffentlich: Werktags zur Mittagszeit essen hier Büroangestellte draußen, am Wochenende spielen Kinder darauf.
  • Verbinde den Besuch mit dem Textilmuseum ein paar Gehminuten entfernt und geh dann weiter in die Altstadt und zum Stiftsbezirk.

In der Nähe

  • Textilmuseum St. Gallen: Spitzen, Stickereien und Musterbücher, die den Textilboom erklären, der das Bleicheli geprägt hat.
  • Stiftsbezirk: seit 1983 UNESCO-Welterbe, mit der barocken Kathedrale und der Stiftsbibliothek.
  • Erker in der Altstadt: Die Gassen rund um Marktgasse und Spisergasse sind voller geschnitzter und bemalter Erker an den Häusern reicher Kaufleute.
  • Marktplatz: der Platz am Rand der Altstadt mit dem Denkmal für Vadian, den Humanisten, Arzt und Bürgermeister, der in St. Gallen die Reformation durchsetzte.

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