
Der Teufelsstein ist ein großer Granitblock neben der Marienkirche in Lübeck, direkt gegenüber dem Rathaus. Der Sage nach hat ihn der Teufel selbst dort fallen lassen, als er merkte, dass die Bauleute ihn hereingelegt hatten und er beim Bau einer Kirche half. Seit 1999 sitzt ein kleiner, grinsender Bronzeteufel darauf, und seine Hörner glänzen, weil Besucher sie zum Glück reiben.
Der Teufelsstein auf einen Blick
- Wo: auf dem Marienkirchhof an der Südseite der Marienkirche, neben dem Kircheneingang, mit Blick auf den Markt und das Rathaus.
- Entstanden: Der Stein gehört seit Jahrhunderten zur Sage; der Bronzeteufel kam 1999 dazu.
- Von: Die Teufelsfigur stammt vom Lübecker Künstler Rolf Görler.
- Was er heute ist: ein beliebtes Fotomotiv in der Altstadt, jederzeit frei zugänglich, am Fuß einer der großen Kirchen des Ostseeraums.
- Zeitbedarf: 5–10 Minuten für den Stein, 45 Minuten oder mehr, wenn du auch in die Marienkirche gehst.
Eine Kirche, gebaut mit Hilfe des Teufels
Die Geschichte spielt im 13. Jahrhundert, nachdem ein großer Brand weite Teile Lübecks zerstört hatte. Die Bürger wollten schnell wieder aufbauen und überredeten den Teufel zu helfen, indem sie ihm erzählten, sie bauten ein Wirtshaus. Erfreut über die Aussicht auf ein Haus voller Zecher schleppte er Steine heran, und die Mauern wuchsen rasch. Als er die hohen Fenster entstehen sah, begriff er, dass es eine Kirche war. Wütend packte er einen riesigen Granitblock, um die Mauern einzuschlagen. Ein geistesgegenwärtiger Geselle beruhigte ihn mit dem Versprechen, gleich nebenan ein Wirtshaus zu bauen, und der Teufel ließ den Stein fallen, wo er bis heute liegt. Die Stadt hielt Wort: Das versprochene Wirtshaus ist der Ratskeller im Rathaus gegenüber.
Hinter der Sage steht eine echte Kirche von außergewöhnlicher Größe. Die Marienkirche wurde etwa von 1265 bis 1350 von Lübecks Kaufleuten aus Backstein gebaut, direkt neben ihrem Rathaus und Markt, und ihr Mittelschiffgewölbe ist 38,5 Meter hoch. Sie wurde zum Vorbild für Backsteinkirchen rund um die Ostsee. In der Nacht vom 28. auf den 29. März 1942 setzte ein britischer Luftangriff sie in Brand. Nach dem Krieg wurde sie wieder aufgebaut, und die Lübecker Altstadt ist seit 1987 UNESCO-Welterbe.
Worauf du achten solltest
- Der Teufel: eine kleine, lachende Bronzefigur, eher frech als furchteinflößend, die oben auf dem Stein hockt. Sieh dir die blanken Hörner an, gerieben von unzähligen Händen.
- Der Stein selbst: ein großer, rauer Granitblock, ganz anders als die glatten roten Backsteine der Kirchenmauern dahinter.
- Die Kirchenmauern: Tritt auf dem Platz zurück und schau an den Backsteinmauern hoch; diese Größe ließ den Teufel ahnen, dass hier mehr als ein Wirtshaus entstand.
- Der Ratskeller: Dreh dich um und sieh zum Rathaus über den Platz; sein Keller ist das Wirtshaus aus der Sage.
- Die gestürzten Glocken: In der Marienkirche, am Fuß des Südturms, liegen die Reste zweier Glocken noch dort, wo sie beim Brand 1942 heruntergestürzt sind, als Mahnmal.
Die Hörner reiben
Laut der Lübecker Tourist-Information soll es Glück bringen, die Hörner des Teufels zu reiben, deshalb glänzen sie, während der Rest der Figur dunkel ist. Der Brauch ist modern und viel jünger als die Sage, aber fast jeder Besucher probiert es. Der Teufel soll heute gut gelaunt sein: Er hat sein Wirtshaus ja bekommen.
Tipps für deinen Besuch
- Komm früh am Morgen, um den Teufel ohne Schlange von Leuten zu fotografieren, die seine Hörner berühren wollen.
- Geh in die Marienkirche, um die Glocken zu sehen, die astronomische Uhr, die der Lübecker Uhrmacher Paul Behrens in den 1960er-Jahren neu baute, und die Gedenktafel für den Organisten Dieterich Buxtehude.
- Die Marienkirche ist eine aktive Kirche: Vermeide Besuche während der Gottesdienste und sprich drinnen leise.
- Verbinde den Stein mit dem Rathaus und dem Markt, die nur ein paar Schritte entfernt sind.
In der Nähe
- Lübecker Rathaus: eines der ältesten noch genutzten Rathäuser Deutschlands, mit dunkel glasierten Backsteinen und hohen Schauwänden am Markt.
- Niederegger: das Stammhaus-Café des Marzipanherstellers in der Breiten Straße gegenüber dem Rathaus, seit 1806 im Geschäft.
- Petrikirche: wenige Gehminuten entfernt, mit einem Aufzug zu einer Aussichtsplattform im Turm und weitem Blick über die Dächer der Altstadt.
- Holstentor: Lübecks Wahrzeichen, das Stadttor von 1478, etwa zehn Minuten zu Fuß westlich über die Altstadtinsel.
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