Der Stein des Teufels in Lübeck: Eine Geschichte von List und Hartnäckigkeit

In der bezaubernden Hansestadt Lübeck ist ein einzigartiges Stück Folklore buchstäblich in Stein gemeißelt. Angrenzend an das prächtige Kirche St. Mary's (Marienkirche) liegt ein großer, grob behauener Felsbrocken, der als "Teufelsstein" bekannt ist, in den Boden eingelassen. Der Teufelsstein ist mit den Klauenabdrücken des Teufels markiert und wird heute von einer Bronzestatue eines frechen, lächelnden Teufels begleitet. Dieses faszinierende Wahrzeichen erzählt eine jahrhundertealte Geschichte von göttlichem Ehrgeiz, menschlicher List und einem Pakt mit der Unterwelt, der Lübecks ikonische Skyline geformt hat. Ein Besuch des Teufelssteins in Lübeck bietet einen skurrilen Einblick in die reichen Legenden der Stadt.

Teufelsstein in Lübeck
Teufelsstein in Lübeck

Die Legende: Ein Schnäppchen für Seelen

Die Legende vom Teufelsstein ist eng mit dem Bau der Marienkirche verbunden, einem monumentalen Meisterwerk der Backsteingotik, das im Jahr 1250 begonnen wurde. Als die fleißigen Lübecker Bürger den Grundstein für ihre große neue Kirche legten, erschien der Teufel höchstpersönlich und war neugierig auf das gewaltige Vorhaben. Da die verängstigten Baumeister wussten, dass Satan eine Abneigung gegen Gotteshäuser hat, dachten sie sich schnell eine clevere Lüge aus. Sie erzählten ihm, sie würden keine Kirche bauen, sondern den größten Ratsweinkeller, den die Welt je gesehen hatte - einen Ort, an dem zahllose Seelen leicht zu Sünde und Verdammnis verführt werden sollten.

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Erfreut über diese Aussicht, bot der Teufel eifrig seine gewaltige Kraft an, um den Bau zu beschleunigen. Mit seiner immensen Kraft wuchsen die Mauern der Basilika in erstaunlichem Tempo. Doch als sich das Gebäude der Vollendung näherte, bemerkte der Teufel bestimmte architektonische Details - die aufragenden Türme, das Fehlen von Weinfässern, die eindeutigen Zeichen eines sakralen Bauwerks - und erkannte, dass er betrogen worden war. Wütend über die Täuschung riss er mit seinen Klauen einen massiven Felsbrocken aus dem Boden, um ihn auf die fast fertige Kirche zu schleudern und sie in Stücke zu zerschmettern.

Gerade als er seine Zerstörungswut entfesseln wollte, rief ein geistesgegenwärtiger Arbeiter, der verzweifelt versuchte, seine prächtige Kirche zu retten, "Halt! Wir wird eine Taverne bauen, nur für dich, direkt neben der Kirche!" Beruhigt durch dieses erneute Versprechen der Seelen, ließ der Teufel den Stein genau dort fallen, wo er stand. Der Felsbrocken landete mit solcher Wucht, dass er sich in die Erde eingrub und die deutlichen Spuren seiner Klauen hinterließ, die bis heute sichtbar sind. Die Arbeiter hielten ihr Wort, und der Ratskeller zu Lübeck, die berühmte Weinstube und Gaststätte der Stadt, wurde tatsächlich direkt gegenüber der Marienkirche gebaut, womit der Teufel seinen Teil der Abmachung erfüllte.

Teufelsstein in Lübeck
Teufelsstein in Lübeck

Ein greifbares Stück Folklore

Der Teufelsstein in Lübeck ist nicht nur ein Hirngespinst, sondern ein eiszeitlicher Findling, der an der Südseite der Marienkirche (Marienkirchhof) in der Nähe der Westfassade auf dem Boden liegt. Im Jahr 1999 wurde auf dem Stein eine Bronzestatue des Teufels aufgestellt, um dieser beliebten lokalen Legende noch mehr Ausdruck zu verleihen und sie zu feiern. Die von Rolf Goerler geschaffene Figur des Satans zeigt ein wissendes, etwas schelmisches Lächeln und scheint zufrieden zu sein, dass sein Teil der alten Abmachung eingehalten wurde.

Der Stein selbst, der oft verwittert und uralt wirkt, lädt die Besucher ein, ihn zu berühren und die angeblichen Krallenspuren zu untersuchen, was der legendären Geschichte eine taktile Dimension verleiht. Er bildet einen einzigartigen Kontrapunkt zur hoch aufragenden sakralen Architektur von St. Mary's und verschmilzt das Sakrale mit dem Profanen auf eine eindeutig lübeckische Weise.

Teufelsstein in Lübeck
Teufelsstein in Lübeck

Bedeutung für das Lübecker Erbe

Der Teufelsstein ist ein charmantes und zugängliches Stück des reichen Lübecker Kulturerbes. Er verdeutlicht die lange Geschichte der Stadt, ihre architektonischen Wunder und die lebendige Tradition des Geschichtenerzählens, die über Generationen hinweg weitergegeben wurde. Für Touristen ist es ein beliebtes Fotomotiv und eine einfache Möglichkeit, sich mit dem einzigartigen Charakter der Stadt auseinanderzusetzen, der über den UNESCO-Welterbestatus und die beeindruckenden Gebäude der Backsteingotik hinausgeht. Sie ist ein Beispiel dafür, wie sich lokale Legenden oft mit bedeutenden historischen Bauwerken verflechten und ihnen eine farbenfrohe, mythische Dimension verleihen.

Der Teufelsstein in Lübeck mit seiner fesselnden Legende von einem getäuschten Dämon und einer versprochenen Taverne ist ein reizvolles und dauerhaftes Symbol für den Witz und die Widerstandsfähigkeit der Stadt. Der Stein und sein lächelnder bronzener Begleiter, der sich in unmittelbarer Nähe der majestätischen Marienkirche befindet, bezaubern auch heute noch die Besucher und sorgen dafür, dass die Sage vom ungewollten Beitrag des Teufels zu Lübecks Größe weiterlebt.

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