
Der Hase ist die große Bronzeskulptur von Jürgen Goertz auf dem Tiergärtnertorplatz in Nürnberg, unterhalb der Kaiserburg und ein paar Schritte vom Albrecht-Dürer-Haus entfernt. 1984 aufgestellt, macht sie aus Dürers sanftem Aquarell eines jungen Hasen etwas viel Seltsameres: einen riesigen Hasen mit aufgerissenem Auge, der mit seinen Jungen aus einer Holzkiste bricht, eine Krallenpfote auf einem menschlichen Fuß.
Der Hase auf einen Blick
- Wo: Tiergärtnertorplatz, der kleine Platz innerhalb des Tiergärtnertors an der Nordwestecke der Altstadt, direkt unterhalb der Burg.
- Geschaffen: 1984 aufgestellt, nachdem die Stadt zu Dürers 500. Geburtstag eine Skulptur zu seinen Ehren in Auftrag gegeben hatte.
- Von: dem deutschen Bildhauer Jürgen Goertz.
- Was er heute ist: eines der meistdiskutierten Kunstwerke im öffentlichen Raum der Nürnberger Altstadt und ein beliebter Fotostopp auf dem Weg zur Burg oder zurück.
- Zeitbedarf: 10 Minuten für einen Rundgang um die Skulptur, länger, wenn du nebenan das Dürer-Haus besuchst.
Vom Dürer-Aquarell zum Bronzemonster
Albrecht Dürer malte seinen Feldhasen 1502 in Aquarell und Deckfarbe. Es ist wohl seine bekannteste Naturstudie, und sie wurde auf alles gedruckt, vom Poster bis zum Kaffeebecher. Dürer lebte und arbeitete von 1509 bis zu seinem Tod 1528 in dem großen Fachwerkhaus an diesem Platz. Sein 500. Geburtstag wurde 1971 in Nürnberg mit einem Dürer-Jahr gefeiert, und die Stadt gab eine Skulptur zu seinen Ehren in Auftrag; Goertz’ Hase wurde 1984 hier aufgestellt.
Mit einem Monster hatte Nürnberg nicht gerechnet. Als die Skulptur auftauchte, gefiel sie vielen nicht, und sie löste echte Empörung aus. Goertz hat das Werk selbst nie erklärt, also wurde es auf viele Arten gedeutet. Die häufigste Lesart sieht darin eine Klage über die Kommerzialisierung von Nürnbergs berühmtestem Künstler: eine niedliche Ikone, endlos kopiert und verkauft, die aus ihrer Verpackungskiste ausbricht. Mit den Jahren ist der Hase Teil des Platzes geworden, und viele Besucher kommen heute gezielt seinetwegen.
Worauf du achten solltest
- Das riesige, starrende Auge des Hasen und sein übergroßer, verdrehter Körper, ganz anders als Dürers ruhiges, genaues Tier.
- Die Holzkiste, aufgesplittert, als wäre der Hase gerade aus seiner Verpackung ausgebrochen.
- Die jungen Hasen, die mit ihm aus der Kiste purzeln.
- Der menschliche Fuß unter einer Krallenpfote: Geh herum und sieh, wie viel von der Person darunter verborgen ist.
- Die Nägel vor dem Maul des Hasen, als würde er sie fressen.
- Der Platz selbst: das Dürer-Haus an der Ecke und der Turm des Tiergärtnertors, damit du den Hasen mit der Welt vergleichen kannst, in der Dürer lebte.
Hasen überall in Nürnberg
Goertz’ Hase ist nicht das einzige Mal, dass Nürnberg mit Dürers Tier gespielt hat. Im August 2003 stellte der Künstler Ottmar Hörl mehr als 7.000 grüne Dürer-Hasen aus Kunststoff auf den Hauptmarkt, zu Füßen des Schönen Brunnens, zum 500. Jubiläum von Dürers anderer berühmter Naturstudie, dem Großen Rasenstück von 1503. Am Ende der Aktion konnte man einen Hasen kaufen und mit nach Hause nehmen. Dürers originaler Feldhase wird weit weg aufbewahrt, in der Albertina in Wien, und ist als empfindliches Aquarell nur selten ausgestellt.
Tipps für deinen Besuch
- Geh einmal ganz um die Skulptur herum: Einige der seltsamsten Details, etwa der Fuß und die Nägel, übersieht man von vorn leicht.
- Komm morgens für einen ruhigeren Platz und gutes Licht; an Sommerabenden ist der Platz voller Menschen, die draußen sitzen.
- Schau dir Dürers originalen Feldhasen vorher auf dem Handy an, dann kannst du die beiden vergleichen.
- Verbinde den Hasen mit dem Dürer-Haus und dem Aufstieg zur Kaiserburg, der genau hier beginnt.
In der Nähe
- Albrecht-Dürer-Haus: das Wohnhaus des Künstlers von 1509 bis 1528, heute ein Museum, an der Ecke des Platzes.
- Kaiserburg: die Burg auf dem Sandsteinfelsen über der Altstadt, ein kurzer Aufstieg vom Platz, mit Blick über die Dächer Nürnbergs.
- Tiergärtnertor: der mittelalterliche Torturm, der dem Platz seinen Namen gibt, Teil der Stadtmauer.
- Dürer-Denkmal: die Bronzestatue Dürers auf dem Albrecht-Dürer-Platz, 1840 enthüllt, ein paar Gehminuten bergab.
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