Weihnachtsmarkt Rothenburg: der Reiterlesmarkt und sein Geisterreiter

The Reiterlesmarkt Christmas market on the Marktplatz in Rothenburg ob der Tauber

Rothenburgs Weihnachtsmarkt, der Reiterlesmarkt, füllt jedes Jahr im Advent die mittelalterlichen Gassen rund um Rathaus und Jakobskirche, mit rund sechzig Ständen unter den alten Giebelhäusern. Die Stadt führt ihn bis ins 15. Jahrhundert zurück, was ihn zu einem der ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands machen würde. Seinen Namen verdankt er einem ungewöhnlichen Schutzpatron: dem Reiterle, einem Reiter aus alter fränkischer Sage, der mit den Seelen der Toten durch den Winterhimmel gezogen sein soll.

Der Reiterlesmarkt auf einen Blick

  • Wo: in der Altstadt von Rothenburg ob der Tauber, rund um Marktplatz und Rathaus, mit weiteren Ständen und einem Kinderkarussell auf dem Kirchplatz an der Jakobskirche.
  • Wann: jedes Jahr im Advent, Beginn etwa Ende November oder Anfang Dezember, Ende am 23. Dezember; prüf die genauen Termine vor der Reise.
  • Was er heute ist: ein traditioneller Adventsmarkt mit Kunsthandwerk, fränkischem Essen, Glühwein und einem täglichen Programm mit Musik und Figuren aus der örtlichen Tradition.
  • Zeitbedarf: ein Nachmittag und ein Abend; Lichter und die Runde des Nachtwächters wirken am besten nach Einbruch der Dunkelheit.

Vom 15. Jahrhundert zum Reiterle

Weihnachtsmärkte in deutschen Städten entstanden aus winterlichen Märkten, auf denen man sich vor den Feiertagen mit Lebensmitteln, Werkzeug und Geschenken eindeckte, und Rothenburgs Tourismusbüro datiert den eigenen Markt ins 15. Jahrhundert. Damals war Rothenburg Freie Reichsstadt, nur dem Kaiser unterstellt, und der Marktplatz vor dem Rathaus war das Zentrum des Handels. Vieles in der Stadt sieht noch so aus wie damals, und deshalb ist der Markt einer der bekanntesten in Deutschland geworden.

Der Name ist jünger als der Markt und geht auf das Reiterle zurück, einen geheimnisvollen Reiter der germanischen Sage. Im alten Glauben ritt er als Bote aus der anderen Welt durch die dunklen Winternächte und führte die Seelen der Toten mit sich. Rothenburg hat aus der eher unheimlichen Gestalt eine freundliche gemacht: Heute ist das Reiterle ein Reiter im roten Mantel, der den Markt hoch zu Ross auf dem Marktplatz eröffnet, beim Entzünden des großen Weihnachtsbaums hilft und Kindern Süßigkeiten schenkt.

Worauf du achten solltest

  • Das Reiterle: Halte bei der Eröffnung und beim Laternenumzug der Kinder Ausschau nach dem Reiter in Rot.
  • Die Adventsfenster am Rathaus: Während des Marktes wird jeden Abend ein von Schulklassen gestaltetes Fenster enthüllt.
  • Der Pelzmärtel: ein brummiger fränkischer Gabenbringer im Pelz, ein örtlicher Verwandter des Nikolaus, der Leckereien verteilt.
  • Schneeballen: Rothenburgs Gebäck aus dünnen Teigstreifen, mit Puderzucker oder Schokolade überzogen, in Bäckereien überall in der Stadt.
  • Der Nachtwächter: Abends beginnt er seine Runde mit Laterne am Marktplatz und erzählt aus der Geschichte der Stadt.

Die Sage vom Meistertrunk

Schau hinauf zur Ratstrinkstube, dem Giebelhaus mit der großen Uhr am Marktplatz. Der Sage nach versprach der kaiserliche Feldherr Tilly 1631, im Dreißigjährigen Krieg, Rothenburg zu verschonen, wenn ein Ratsherr einen riesigen Humpen Wein in einem Zug leeren könne, und Altbürgermeister Georg Nusch schaffte es. Historiker halten die Geschichte für eine Sage, doch sie wird jedes Jahr als Festspiel aufgeführt, und zu bestimmten Stunden öffnen sich neben der Uhr Fenster, in denen Tilly und Nusch mit seinem Humpen erscheinen.

Tipps für deinen Besuch

  • Komm, wenn möglich, an einem Werktag am Nachmittag: Am Wochenende, besonders im Dezember, kommen Busgruppen und die Gassen werden voll.
  • Bleib bis zur Dämmerung, wenn Stände und Fachwerkfassaden beleuchtet sind; vom Rathausturm hast du einen Blick über Markt und Dächer.
  • Zieh dich warm an und trag Schuhe mit gutem Profil: Das Kopfsteinpflaster kann im Dezember vereist sein.
  • Bring deinen Becher zum Stand zurück oder behalte ihn als Andenken: Auf die Glühweintassen wird meist Pfand erhoben.

In der Nähe

  • Jakobskirche: die gotische Kirche hinter dem Rathaus mit Tilman Riemenschneiders geschnitztem Heilig-Blut-Altar aus dem frühen 16. Jahrhundert.
  • Deutsches Weihnachtsmuseum: ein Museum über Weihnachtsbräuche und Christbaumschmuck in der Herrngasse, ein paar Minuten vom Marktplatz.
  • Plönlein: die kleine Weggabelung mit einem Fachwerkhaus zwischen zwei Türmen, die meistfotografierte Ecke Rothenburgs.
  • Stadtmauer: Ein großer Teil des mittelalterlichen Wehrgangs ist begehbar, mit Blick über die Dächer und das Taubertal.

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