Porta della Pescheria in Modena: König Artus am Portal des Doms

The Porta della Pescheria on Modena Cathedral

Die Porta della Pescheria ist das Seitenportal an der Nordflanke des Doms von Modena, der 1099 begonnenen romanischen Kathedrale. Man läuft leicht daran vorbei, doch der gemeißelte Bogen darüber zeigt König Artus und seine Ritter beim Sturm auf eine Burg – wahrscheinlich die älteste monumentale Skulptur der Artussage in ganz Europa.

Die Porta della Pescheria auf einen Blick

  • Wo: an der Nordseite des Doms von Modena, nahe dem Glockenturm Ghirlandina und nur wenige Schritte von der Piazza Grande entfernt.
  • Entstanden: frühes 12. Jahrhundert; die meisten Fachleute datieren den Artusbogen auf etwa 1120 bis 1140.
  • Von: einem unbekannten Bildhauer, dem sogenannten „Artusmeister“, aus dem Umkreis von Wiligelmo, dem Meister der Fassadenreliefs.
  • Heute: ein Seiteneingang des Doms, der weiterhin als Kirche genutzt wird, und Teil des UNESCO-Welterbes, zu dem auch die Ghirlandina und die Piazza Grande gehören.
  • Zeitbedarf: 10–15 Minuten für die Reliefs, länger, wenn du den Dom mit besichtigst.

Ein Fischmarkt-Portal mit Rittergeschichte

Der Dom von Modena entstand über dem Grab des heiligen Geminianus, des Stadtpatrons, nach Plänen des Architekten Lanfranco; Wiligelmo meißelte die biblischen Szenen an der Hauptfassade. Das Nordportal ist nach dem Fischmarkt (pescheria) benannt, der einst auf dieser Seite der Kirche lag. Mit Fischen hat sein Schmuck aber nichts zu tun: Die Bildhauer füllten es mit Rittern, Feldarbeit und Fabeln.

Im 20. Jahrhundert sorgte der Bogen unter Forschern für Aufsehen. Der amerikanische Mediävist Roger Sherman Loomis meinte, er sei um 1100 entstanden – Jahrzehnte vor den ersten schriftlichen Artusromanen auf dem Kontinent. Neuere Forschung spricht für etwa 1120 bis 1140. Auch dann ist er ein sehr früher Zeuge von Geschichten, die aus Britannien und der Bretagne kamen, wohl mit Erzählern und Pilgern.

Worauf du achten solltest

  • Die Archivolte: in der Mitte eine Burg mit zwei Türmen, von beiden Seiten reiten Ritter mit gesenkten Lanzen heran.
  • Die eingemeißelten Namen über den Figuren: „Artus de Bretania“ (Artus), „Galvagin“ (Gawain), „Che“ (Kay) und „Isdernus“ (wohl Yder), in der Burg „Winlogee“.
  • Die Monatsarbeiten an den Innenseiten der Türpfosten: Bauern beim Säen, beim Weizenschneiden mit der Sichel und bei den anderen Arbeiten des bäuerlichen Jahres.
  • Der Türsturz, ein kleines Tierbuch: ein Mann, der auf einem Meereswesen reitet, ein Fuchs, der sich tot stellt und von zwei Hähnen fortgetragen wird, und ein Kranich, der einem Wolf einen Knochen aus dem Hals zieht.
  • Die kleine Vorhalle vor der Tür, deren Säulen auf dem Rücken steinerner Löwen ruhen.

Wer ist Winlogee?

Die Figur in der Burg wird meist als Guinevere gedeutet, Artus’ Königin, und die Szene als ihre Entführung und Befreiung – eine der ältesten Episoden der Sage. Der Name Winlogee ähnelt bretonischen Formen ihres Namens. Das spricht dafür, dass die Geschichte mündlich nach Modena kam und nicht aus einem Buch. Welche Fassung der Bildhauer genau kannte, ist bis heute umstritten; jede einzelne Erklärung ist also mit Vorsicht zu genießen.

Tipps für deinen Besuch

  • Komm am Vormittag oder späten Nachmittag, wenn das Streiflicht die Tiefe des Reliefs zeigt; mittags wirkt der Bogen oft flach.
  • Nimm ein Fernglas mit oder nutze den Zoom deines Handys: Die Namen sind klein in den Bogen gemeißelt und von der Straße aus leicht zu übersehen.
  • Geh danach einmal um den ganzen Dom und vergleiche dieses Portal mit der Porta dei Principi auf der Südseite und Wiligelmos Genesis-Reliefs an der Fassade.
  • Der Dom ist ein Gotteshaus: Sprich leise, wenn du während eines Gottesdienstes hineingehst.

In der Nähe

  • Die Ghirlandina: der schiefe Glockenturm des Doms und Wahrzeichen Modenas, direkt an der Nordseite.
  • Piazza Grande: der Hauptplatz mit dem Rathaus und der Preda Ringadora, einem alten Rednerstein.
  • Mercato Albinelli: die überdachte Markthalle, wenige Gehminuten entfernt, für regionale Produkte und ein schnelles Mittagessen.
  • Palazzo Ducale: der barocke Palast der Este-Herzöge, heute eine Militärakademie, an der Piazza Roma, ein kurzes Stück nördlich des Doms.

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