
Das Marzili ist Berns Flussbad am Ufer der Aare, direkt unterhalb des Bundeshauses. Der Eintritt ist frei, wie in allen öffentlichen Bädern Berns, und im Sommer kommen Tausende, um auf dem Rasen zu liegen, in den Becken zu schwimmen oder das zu tun, wofür Bern berühmt ist: flussaufwärts laufen, in die schnelle, klare, grüne Aare springen und sich von der Strömung zurücktragen lassen.
Das Marzili auf einen Blick
- Wo: Marzilistrasse, am linken Aareufer am Fuß des Bundeshauses und der Bundesterrasse.
- Eröffnet: Öffentliche Bäder gibt es hier seit dem frühen 19. Jahrhundert; das heutige 50-Meter-Becken stammt von 1968.
- Was es heute ist: ein kostenloses Freibad mit vier Becken, großen Liegewiesen, getrennten Sonnenbereichen für Frauen und Männer und Treppen hinunter in die Aare.
- Saison: Das Bad ist von Mai bis September geöffnet; die Aare ist nur etwas für geübte Schwimmer.
- Zeitbedarf: vom kurzen Sprung ins Wasser bis zum ganzen Sommernachmittag.
Vom Bubenseeli zum Stadtbad
Das Aareschwimmen im Marzili hat eine lange Geschichte. Der früheste Beleg von 1721 erwähnt Knaben, die in einem Seitenarm der Aare badeten: Der flache obere Teil hieß Bubenseeli, der tiefere untere Studentenseeli. Im frühen 19. Jahrhundert beschränkten die Behörden das Flussbaden in der Stadt auf wenige Orte, darunter das Marzili, und 1822 eröffneten hier Warmbäder und ein von der Aare gespeistes Freibad, gegen Eintritt.
Um 1900 erwarb die Stadt nach einem langen Streit mit den Besitzern der Inselparzellen das Land entlang des Flusses. Das moderne Bad entstand im 20. Jahrhundert: In den 1950er-Jahren wurden Liegewiesen angelegt, und 1968 wurde der alte Seitenarm größtenteils aufgefüllt und das heutige 50-Meter-Becken gebaut. Heute steht das Aareschwimmen in Bern auf der Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz.
Worauf du achten solltest
- Das Bundeshaus über dir: Die grüne Kuppel des Schweizer Parlaments erhebt sich direkt über den Liegewiesen.
- Das Sportbecken: acht 50-Meter-Bahnen, daneben ein Sprungbecken, ein Nichtschwimmerbecken und ein Planschbecken für Kinder.
- Das Paradiesli und das Männerbad: getrennte Sonnenbereiche für Frauen und Männer, in denen FKK erlaubt ist.
- Die Aareausstiege: Treppen und Geländer entlang des Ufers, an denen die Schwimmer aus der Aare steigen, bevor die Strömung sie weiter flussabwärts trägt.
- Die rote Marzilibahn: die kleine Standseilbahn, die seit 1885 das Marzili mit dem Bundeshaus verbindet, auf einer nur rund 105 Meter langen Strecke.
Das Aareschwimmen
Das Ritual ist einfach. Du ziehst dich im Marzili um, läufst am Ufer flussaufwärts, oft bis zum Dählhölzli oder zum Eichholz, gleitest dann in den Fluss und lässt dich zurücktreiben, während Altstadt und Bundeshaus vorbeiziehen. Das Wasser ist kalt, oft auch im Sommer unter 20 Grad, und die Strömung ist stark, also nur etwas für sichere Schwimmer. Viele Einheimische nehmen ihre Kleider in einem wasserdichten Beutel, dem Aaresack, mit ins Wasser.
Tipps für deinen Besuch
- Kenne deinen Ausstieg, bevor du hineingehst: Übe das Aussteigen an einer der Treppen und schwimm nie am Marzili vorbei, wo der Fluss weiter Richtung Schwelle in der Matte fließt.
- Prüfe am Tag selbst Wassertemperatur und Pegel; nach starkem Regen fließt die Aare schneller und höher.
- Komm an einem Wochentag morgens oder am späten Nachmittag, wenn du Platz auf der Wiese willst; heiße Sommerwochenenden sind voll.
- Nimm danach die Marzilibahn hinauf zum Bundeshaus, statt den Hang hochzusteigen.
In der Nähe
- Bundeshaus: der Sitz des Schweizer Parlaments, direkt über dem Bad, mit der Bundesterrasse als Aussichtspunkt über die Aare.
- Bundesplatz: der Platz vor dem Parlament mit seinen Wasserfontänen im Boden.
- Dählhölzli: Berns Tierpark am Aareufer flussaufwärts, ein schöner Spaziergang dem Fluss entlang.
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