
Das Schwabentor ist eines der beiden mittelalterlichen Stadttore, die in Freiburg im Breisgau noch stehen, am Ostrand der Altstadt, wo die Salzstraße unterhalb des Schlossbergs endet. Es wurde um 1250 für den Verkehr aus Schwaben und dem Osten gebaut, und bis heute fährt die Straßenbahn hindurch. Wer genau hinschaut, findet einen gemalten Drachentöter, einen winzigen romanischen Dornauszieher und eine Legende über zwei Fässer voller Sand.
Das Schwabentor auf einen Blick
- Wo: am Ostende der Salzstraße, hinter dem kleinen Platz Oberlinden, am Fuß des Schlossbergs.
- Erbaut: um 1250, damals Obertor genannt; um 1900 aufgestockt und 1954 wieder vereinfacht.
- Von: Die ursprünglichen Baumeister sind nicht bekannt; den Umbau um 1900 entwarf der Architekt Carl Schäfer.
- Was es heute ist: ein Stadttor, durch das eine Straßenbahnlinie fährt, mit einem kleinen Zinnfigurenmuseum, der Zinnfigurenklause, in den oberen Räumen.
- Zeitbedarf: 10–15 Minuten von außen, etwa eine Stunde mit dem Museum.
Vom Obertor zum Schwabentor
Das Tor gehörte zur Mauer, die die junge Stadt im 13. Jahrhundert umschloss. Im Mittelalter hieß es Obertor und bewachte die Straße, die ostwärts durch das Dreisamtal nach Schwaben führte. Auf diesem Weg kam Salz aus Schwaben in die Stadt und wurde in der Salzstraße verkauft, die bis heute vom Tor in die Altstadt führt. Wie viele Tortürme seiner Zeit war es zur Stadtseite hin zunächst offen; 1547 wurde es mit einer Steinmauer geschlossen, 1572 kam ein Treppentürmchen hinzu. Am Ostermontag 1848 wurden badische Freischärler nahe dem Tor von Regierungstruppen geschlagen, deshalb nennt man die Stelle manchmal den Platz der letzten Barrikade.
Mehr als drei Jahrhunderte lang veränderte sich der Turm kaum. Um 1900 verdoppelte der Architekt Carl Schäfer fast seine Höhe, nach dem Vorbild norddeutscher Stadttürme, und 1903 malte Fritz Geiges den heiligen Georg, Freiburgs Stadtpatron, an die Außenseite. Bis 1913 folgten Anbauten im historisierenden Stil, darunter ein seitlicher Durchgang für die Straßenbahn. 1954 wurde ein Teil des Umbaus zurückgenommen: Der Turm erhielt ein schlichteres Zeltdach, näher am Original, und einen kleinen Glockenturm mit Zwiebelhaube. Seit 1969 beherbergen die oberen Räume die Zinnfigurenklause, wo fast 10.000 von Ehrenamtlichen gegossene und bemalte Zinnfiguren 21 Szenen aus Geschichte und Sagen Badens darstellen.
Worauf du achten solltest
- Der heilige Georg und der Drache: Das große Bild an der Außenseite, von der Altstadt abgewandt, zeigt den Stadtpatron im Kampf mit dem Drachen.
- Der Dornauszieher: Über dem inneren Torbogen sitzt ein kleines romanisches Relief eines Knaben mit übergroßem Kopf, der sich einen Dorn aus dem Fuß zieht. Die Figur stammt aus der antiken Kunst und wird hier meist als Mahnung vor der Sünde gedeutet, oder davor, vom rechten Weg abzukommen.
- Der Kaufmann mit seinem Wagen: Auf der Stadtseite ist ein Händler mit Fuhrwerk gemalt, ein Motiv, das das Tor seit Jahrhunderten schmückt und das man mit der Legende unten verbindet.
- Die Zwiebelhaube: Schau nach oben zum Glockentürmchen von 1954 auf den hohen Obergeschossen aus der Zeit um 1900.
- Die Straßenbahn: Eine Freiburger Tramlinie fährt durch das Tor aus der Altstadt hinaus, und so siehst du vielleicht eine moderne Bahn unter einem Bogen aus dem 13. Jahrhundert.
Die Legende vom Schwaben und seinen Fässern
Der Name kommt sehr wahrscheinlich von der Straße nach Schwaben, doch eine Legende aus dem 19. Jahrhundert erzählt es anders. Ein reicher schwäbischer Kaufmann, so heißt es, mochte Freiburg so sehr, dass er die ganze Stadt kaufen wollte, und kam mit zwei Fässern voller Gold. Als er sie vor den Bürgern öffnete, war nur Sand und Kies darin: Seine sparsame Frau hatte den Inhalt vor der Abreise vertauscht, damit er ihr Geld nicht für eine Stadt verschwendete. Die Freiburger lachten ihn aus, und das Tor, durch das er kam, trägt seitdem seinen Namen. Eine schöne Geschichte, aber eben nur eine Geschichte.
Tipps für deinen Besuch
- Geh in beide Richtungen durch das Tor: Dornauszieher und Kaufmann sind auf der Stadtseite, der heilige Georg auf der Außenseite.
- Durch das Tor und den Seitendurchgang fahren noch Straßenbahnen, Fahrräder und Lieferwagen, also fotografiere vom Gehweg aus.
- Die Zinnfigurenklause erreichst du über eine Wendeltreppe mit rund 50 Stufen; sie ist nicht barrierefrei und nur in der warmen Jahreszeit geöffnet, weil die Räume ungeheizt sind.
- Direkt hinter dem Tor erhebt sich der Schlossberg. Von seinen Wegen und Aussichtspunkten blickst du auf das Schwabentor, die Dächer der Altstadt und das Münster.
In der Nähe
- Oberlinden: der kleine Platz gleich innerhalb des Tores, mit Brunnen und dem Gasthaus Zum Roten Bären, das oft als eines der ältesten Gasthäuser Deutschlands bezeichnet wird.
- Augustinermuseum: ein ehemaliges Augustinerkloster an der Salzstraße, wenige Gehminuten entfernt, mit mittelalterlicher Skulptur und Malerei vom Oberrhein.
- Freiburger Münster: die gotische Kirche aus rotem Sandstein am Münsterplatz mit ihrem durchbrochenen Turmhelm, ein kurzer Spaziergang westwärts durch die Altstadt.
- Martinstor: Freiburgs zweites erhaltenes mittelalterliches Stadttor, an der Kaiser-Joseph-Straße auf der anderen Seite der Altstadt.
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