
Die Böttcherstraße ist eine kaum 110 Meter lange Gasse zwischen dem Bremer Marktplatz und der Weser, die ein Kaffeekaufmann in den 1920er-Jahren als Kunstwerk aus Backstein neu bauen ließ. Expressionistische Fassaden, ein goldenes Relief über dem Eingang und ein Glockenspiel aus Porzellanglocken machen sie zu einer der ungewöhnlichsten Straßen Deutschlands.
Die Böttcherstraße auf einen Blick
- Wo: in der Bremer Altstadt, vom Marktplatz in Richtung Martinikirche und Weserufer.
- Gebaut: größtenteils zwischen 1922 und 1931; 1944 schwer beschädigt und nach dem Krieg wiederhergestellt, eine umfassende Sanierung wurde 1999 abgeschlossen.
- Von: in Auftrag gegeben vom Kaffeekaufmann Ludwig Roselius, dem Gründer von Kaffee HAG; entworfen von den Architekten Eduard Scotland und Alfred Runge und dem Bildhauer Bernhard Hoetger.
- Was sie heute ist: ein denkmalgeschütztes Ensemble mit den Museen Böttcherstraße (Paula Modersohn-Becker Museum und Ludwig Roselius Museum), Kunsthandwerk, Läden, Restaurants und einem Hotel.
- Zeitbedarf: 20 Minuten, um sie entlangzugehen und die Glocken zu hören; zwei Stunden oder mehr mit den Museen.
Von der Böttchergasse zum Schaufenster des Kaffeekönigs
Im Mittelalter war dies eine Arbeitsstraße zwischen Markt und Flusshafen, in der die Böttcher Fässer herstellten; schon 1317 ist sie unter einem anderen Namen belegt. Als der Hafen im 19. Jahrhundert verlegt wurde, verlor sie an Bedeutung. 1902 kaufte Ludwig Roselius, dessen Firma später den entkoffeinierten Kaffee HAG herstellte, das Haus Nr. 6, und nach dem Ersten Weltkrieg erwarb er den Rest der Straße und ließ sie neu bauen: zuerst nüchterne Backstein-Bürohäuser von Scotland und Runge, dann Hoetgers wild skulpturales Paula-Modersohn-Becker-Haus (1926) und das Haus Atlantis aus Glas und Stahl (1931).
Die Straße hat auch eine unbequeme Seite. Roselius hing nationalistischen nordischen Mythen an und wollte sie in der Straße ausdrücken, und das goldene Relief am Eingang wurde 1936 als Huldigung an Hitler angebracht. Hitler verspottete diese Kunst trotzdem im selben Jahr in einer Rede, und die Nationalsozialisten stellten die Straße 1937 als Beispiel „entarteter“ Kunst der Weimarer Zeit unter Denkmalschutz. Bomben zerstörten 1944 große Teile, doch Kaffee HAG hatte die meisten Fassaden bis 1954 wiederhergestellt. Seit 2004 gehört die Straße einer Stiftung, die mit der Sparkasse Bremen verbunden ist.
Worauf du achten solltest
- Der Lichtbringer: Hoetgers vergoldetes Relief über dem Eingang vom Marktplatz, das den Erzengel Michael im Kampf mit einem Drachen zeigt.
- Das Haus des Glockenspiels: 30 Glocken aus Meißner Porzellan zwischen zwei Giebeln. Während sie spielen, drehen sich im Turm zehn geschnitzte Holztafeln mit Ozeanbezwingern wie Kolumbus, Lindbergh und Graf Zeppelin.
- Das Paula-Modersohn-Becker-Haus mit geschwungenen Backsteinwänden und reliefartigen Fassaden; das Museum darin war das erste der Welt, das einer Malerin gewidmet wurde.
- Der Handwerkerhof, in dem Goldschmiede und Glasbläser vor den Augen der Passanten arbeiten.
- Das Haus Atlantis am Flussende, dessen Front aus Beton und Glas zwischen dem Backstein heraussticht.
- Kleine Details im Mauerwerk: gedrehte Muster, gemeißelte Köpfe und Inschriften, die von Haus zu Haus wechseln.
Das Glockenspiel hören
Das Glockenspiel kam 1934 hinzu und ist der Publikumsmagnet der Straße. Es spielt mehrmals am Tag, vom Frühjahr bis zum Jahresende häufiger, und jede Vorführung dauert etwa acht Minuten, während sich die Tafeln nacheinander drehen. Stell dich ein paar Minuten vor Beginn in die enge Gasse mit Blick auf die Giebel; im Sommer wird es schnell voll.
Tipps für deinen Besuch
- Schau dir die Spielzeiten des Glockenspiels vor Ort oder online an und plane deinen Spaziergang danach.
- Geh vom Marktplatz aus hinein, um unter dem goldenen Relief hindurchzugehen, und folge dann der Gasse hinunter zum Fluss.
- Die Gasse ist eng: Mach Platz für Lieferkarren und versperre keine Ladeneingänge, während du auf die Glocken wartest.
- Verbinde den Besuch mit der Schlachte am anderen Ende für einen Drink an der Weser.
In der Nähe
- Bremer Marktplatz: das Rathaus und der Roland, zusammen UNESCO-Welterbe, direkt am Anfang der Gasse.
- Schlachte: der alte Hafenkai an der Weser, heute mit Biergärten und Restaurants, wenige Gehminuten entfernt.
- Martinikirche: eine gotische Backsteinkirche am Flussende der Straße.
- Der Schnoor: Bremens ältestes Viertel mit winzigen Häusern und schmalen Gassen, ein kurzer Spaziergang nach Osten.
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