
Pfunds Molkerei ist ein kleiner Milchladen an der Bautzner Straße in der Dresdner Neustadt, und jede Fläche darin, Wände, Decke und Boden, ist mit handbemalten Fliesen von 1892 bedeckt. Eröffnet haben ihn die Brüder Pfund, deren Molkerei als erste in Deutschland Kondensmilch herstellte, und 1997 nahm das Guinness-Buch der Rekorde ihn als schönsten Milchladen der Welt auf. Bis heute werden hier Milch und Käse verkauft.
Pfunds Molkerei auf einen Blick
- Wo: Bautzner Straße 79 in der Äußeren Neustadt, auf der Nordseite der Elbe.
- Eröffnet: Der Fliesenladen öffnete im Herbst 1892 im Hauptgebäude der Firma von 1891; die Molkerei selbst wurde 1880 gegründet.
- Von: den Brüdern Paul und Friedrich Pfund; die Fliesen entwarfen Künstler von Villeroy & Boch, bemalt wurden sie von Hand.
- Was er heute ist: ein aktiver Laden für Käse, Milch und Milchprodukte und einer der bekanntesten Innenräume Dresdens.
- Zeitbedarf: 15–30 Minuten, länger, wenn du an der Theke ein Glas Milch trinkst.
Sechs Kühe und ein Milchimperium
1879 zog der Landwirt Paul Pfund mit seiner Familie, sechs Kühen und ein paar Schweinen nach Dresden. 1880 gründete er mit seinem Bruder Friedrich eine Molkerei, zu einer Zeit, in der die wachsende Stadt dringend saubere, sichere Milch brauchte. Das Geschäft wuchs schnell: Nach Angaben der Firma verarbeitete sie im ersten Jahr 500 Liter am Tag und 1895 schon 40.000 Liter täglich. Die Pfunds waren Pioniere der Pasteurisierung, stellten als Erste in Deutschland Kondensmilch her und produzierten außerdem Säuglingsnahrung und Milchseife. Der Laden an der Bautzner Straße 79 war das Aushängeschild des Unternehmens, und seine Fliesen sollten ebenso Sauberkeit wie Luxus ausstrahlen.
Die Familie verlor die Firma an den Staat. 1966 wurde der Laden unter Denkmalschutz gestellt, was half, das Interieur zu retten, und am 1. Mai 1972 enteignete die DDR das Unternehmen; es wurde zum VEB Dresdner Molkerei und 1978 geschlossen. Ein Plan, die alten Wandfliesen durch Kunststoffplatten zu ersetzen, wurde nie umgesetzt. Nach der Wiedervereinigung erhielten die Erben ihre Rechte zurück, und 1995 öffnete der Laden wieder. Weniger als 5 Prozent der Fliesen mussten ersetzt werden; die neuen fertigte Villeroy & Boch in seinem Werk in Mettlach.
Worauf du achten solltest
- Die Decke: Schau nach oben. Die Fliesen setzen sich über dir fort, gerahmt von gemalten Bordüren, sodass der Raum wie eine geflieste Schatulle wirkt.
- Die Bilder zwischen den Fliesen: Putten, Ranken und Ornamente im Stil der Neorenaissance, dazu gemalte Szenen in den Wänden.
- Der Boden, ebenfalls gefliest, mit Mustern passend zu den Wänden.
- Die Reparaturen: Bei der Restaurierung musste nicht einmal jede zwanzigste Fliese neu gefertigt werden. Versuch, eine der neueren Fliesen aus Mettlach zwischen den Originalen von 1892 zu entdecken.
- Milchseife im Regal: Sie wird noch nach dem Originalrezept hergestellt, eine Verbindung zum eigenen Sortiment der Pfunds.
Der schönste Milchladen der Welt?
Der Titel stammt aus dem Guinness-Buch der Rekorde, das den Laden im November 1997 unter diesem Namen eintrug. Es ist kein Wettbewerb, an dem jedes Jahr andere teilnehmen, nimm ihn also eher als lustiges Etikett denn als Rangliste. Trotzdem kommen nur wenige herein, ohne eine lange Minute nach oben zu schauen. Gut zu wissen: Geflieste Läden wie dieser waren einst ein Zeichen moderner Hygiene. Glatte, abwaschbare Flächen zeigten der Kundschaft, dass die Milch sicher war.
Tipps für deinen Besuch
- Komm früh am Tag oder unter der Woche. Der Laden ist klein, und Reisegruppen und Schlangen füllen ihn schnell.
- Es ist ein Geschäft, kein Museum. Die Regeln zum Fotografieren hängen an der Tür; halte dich daran und lass zahlende Kunden an die Theke.
- Bestell an der Theke ein Glas Milch oder Buttermilch oder kauf ein Stück sächsischen Käse zum Mitnehmen. So siehst du den Raum am besten, ohne zu hetzen.
- Verbinde den Besuch mit einem Spaziergang durch die Neustadt: Die Straßen um die Alaunstraße und die Görlitzer Straße sind voller Cafés und Street Art.
In der Nähe
- Kunsthofpassage: eine Reihe verbundener Höfe in der Neustadt mit gestalteten Fassaden, darunter der Hof der Elemente, an dem Regenwasser über eine Wand aus Rohren und Trichtern läuft.
- Albertplatz und Erich Kästner Museum: der runde Platz im Zentrum der Neustadt, mit einem kleinen Museum über den Autor von Emil und die Detektive, der in der Nähe aufwuchs.
- Gedenkstätte Bautzner Straße: das ehemalige sowjetische und Stasi-Untersuchungsgefängnis ein Stück weiter an derselben Straße, heute eine Gedenkstätte für politische Gefangene.
- Die Elbwiesen: Geh hinunter zum Fluss, um den klassischen Blick über das Wasser auf die Kuppeln und Türme der Altstadt zu genießen.
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