
Das Sheldonian Theatre ist der Zeremoniensaal der Universität Oxford an der Broad Street und eines der ersten Bauwerke von Christopher Wren. Es entstand 1664–1669, damit die Abschlussfeiern nicht mehr in einer Kirche stattfinden mussten, und seine bemalte Decke hängt an einem Dachstuhl, der damals ein technisches Meisterstück war.
Das Sheldonian Theatre auf einen Blick
- Wo: an der Broad Street im Zentrum von Oxford, zwischen dem Clarendon Building und dem History of Science Museum, mit der Divinity School der Bodleian Library dahinter.
- Erbaut: 1664–1669, fast vollständig bezahlt von Gilbert Sheldon, Erzbischof von Canterbury und später Kanzler der Universität.
- Von: Christopher Wren, damals junger Professor für Astronomie in Oxford; die Deckengemälde stammen von Robert Streater, Hofmaler Karls II.
- Was es heute ist: der Saal der Universität für Immatrikulations- und Abschlussfeiern, auch für Konzerte und Vorträge genutzt, mit Platz für rund 700 Menschen und für Besucher geöffnet, wenn keine Veranstaltung stattfindet.
- Zeitbedarf: 45 Minuten bis eine Stunde für den Saal und den Aufstieg zur Kuppel.
Ein römisches Theater mit Oxforder Dach
Vor dem Sheldonian feierte Oxford seine Abschlüsse in der Universitätskirche St Mary the Virgin, wo die lauten Feste dem Klerus missfielen. Nach der Restauration unter Karl II. griff Vizekanzler John Fell einen älteren Plan für ein eigenes Gebäude auf und bat Gilbert Sheldon um Unterstützung. Sheldon versprach, Geldgeber zu finden, fand kaum welche und bezahlte schließlich fast die gesamten 14.470 Pfund selbst.
Als Vorbild nahm Wren einen Stich des Marcellustheaters in Rom, daher die D-Form des Baus. Ein römisches Theater war nach oben offen, Oxford aber brauchte ein Dach, und es gab keine Balken, die mehr als 70 Fuß überspannen konnten. Wren verwendete ein Gitter aus kürzeren, ineinandergreifenden Balken nach einem System des Oxforder Mathematikers John Wallis. Es war so tragfähig, dass die University Press viele Jahre ihre Bücher im Dachraum lagerte, und Gutachter fanden es 1720 trotz der Last in gutem Zustand.
Worauf du achten solltest
- Die bemalte Decke: 32 Leinwandfelder von Robert Streater, die zeigen, wie die Wahrheit zu den Künsten und Wissenschaften herabsteigt und die Unwissenheit aus der Universität vertreibt; ihre Restaurierung wurde 2008 abgeschlossen.
- Der D-förmige Saal mit seinen Emporen, nach dem Vorbild eines römischen Theaters.
- Die achteckige Kuppel auf dem Dach, mit großen Fenstern auf allen Seiten und Blick über die Türme und Kuppeln der Oxforder Innenstadt.
- Der Old Printing Loft unter dem Dach, wo die University Press einst ihre Bücher aufbewahrte.
- Die Steinköpfe auf Pfeilern am Gitter zur Broad Street, bekannt als die Emperors. Die heutigen sind die dritte Serie, gemeißelt von Michael Black und seinen Mitarbeitern 1970–1972.
Die Kaiser, die keine Kaiser sind
Wen die Köpfe darstellen, weiß niemand genau: Offiziell heißen sie Hermen, in frühen Berichten termains. Jeder trägt einen anderen Bart. Der Spitzname Emperors stammt aus Max Beerbohms Roman Zuleika Dobson von 1911, der sie berühmt machte. Die erste Serie hielt etwa 200 Jahre und wurde 1868 ersetzt; diese verwitterte schlecht, und die heutigen Köpfe wurden nach einem Stich aus dem 17. Jahrhundert kopiert.
Tipps für deinen Besuch
- Informiere dich vorher: Der Saal schließt bei Zeremonien und Konzerten, die Kuppel kann dann aber oft trotzdem besucht werden.
- Bis zur Kuppel sind es 114 Stufen, lass dir also Zeit.
- Besuch ein Konzert, wenn du kannst: Das Sheldonian hat eine lange Musikgeschichte, und Händel dirigierte hier 1733 die Uraufführung seines Oratoriums Athalia.
- Betrachte die Köpfe von der anderen Seite der Broad Street, dann siehst du die ganze Reihe mit dem Theater dahinter.
In der Nähe
- Bodleian Library und Divinity School: die große Bibliothek der Universität und ihr gotischer Saal mit gemeißeltem Steingewölbe, direkt hinter dem Theater.
- Radcliffe Camera: der runde Lesesaal der Bodleian mit seiner Kuppel, ein paar Gehminuten südlich.
- History of Science Museum: im Old Ashmolean nebenan, mit weiteren Steinköpfen davor.
- Hertford Bridge: die überdachte Brücke über die New College Lane, im Volksmund Seufzerbrücke, ein kurzer Spaziergang nach Osten.
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