
Die Molly-Malone-Statue in der Suffolk Street in Dublin zeigt die Fischhändlerin aus dem Lied „Molly Malone“, auch bekannt als „Cockles and Mussels“ oder „In Dublin’s Fair City“. Die Bronzefigur von Jeanne Rynhart, die einen Karren mit Muscheln schiebt, steht seit 1988 im Stadtzentrum. Der Clou: Niemand hat je bewiesen, dass es Molly gab, und das Lied selbst entstand womöglich gar nicht in Irland.
Die Molly-Malone-Statue auf einen Blick
- Wo: Suffolk Street, vor der ehemaligen St Andrew’s Church (heute ein Touristenbüro), ein paar Schritte vom unteren Ende der Grafton Street.
- Geschaffen: enthüllt 1988 während der Tausendjahrfeier Dublins; im Juli 2014 an ihren heutigen Platz versetzt.
- Von: der Dubliner Bildhauerin Jeanne Rynhart, im Auftrag der Hotelgruppe Jurys.
- Was sie heute ist: eine der bekanntesten Straßenstatuen Dublins, ein klassischer Treffpunkt und ein Fotostopp zwischen dem Trinity College und der Grafton Street.
- Zeitbedarf: 5–10 Minuten.
Erst das Lied, dann die Statue
Das Lied erzählt von einer jungen Fischhändlerin, die ihren Karren „durch breite und enge Straßen“ schiebt und „Herzmuscheln und Miesmuscheln, frisch, frisch, oh!“ ruft, bis sie an einem Fieber stirbt und ihr Geist weiterzieht. Der älteste bekannte Druck stammt von 1876, aus einem in Boston (Massachusetts) erschienenen Studentenliederbuch. 1884 nannte eine Londoner Ausgabe James Yorkston aus Edinburgh als Autor von Text und Musik. Ein Lied namens „Sweet Molly Malone“ steht zwar schon in einem Liederbuch von etwa 1790, hat mit dem heute in Dubliner Pubs gesungenen aber wenig gemein.
1988 feierte Dublin sein Millennium, und die Millennium-Kommission der Stadt unterstützte die Behauptung, die echte Molly sei eine Mary Malone gewesen, die am 13. Juni 1699 starb. Sie erklärte den 13. Juni zum Molly-Malone-Tag, und Oberbürgermeister Ben Briscoe enthüllte Rynharts Statue im selben Jahr am unteren Ende der Grafton Street. Im April 2014 wurde die Statue für den Bau der Straßenbahnlinie Luas abgebaut und eingelagert, im Juli 2014 kam sie ein kurzes Stück weiter in der Suffolk Street wieder auf.
Worauf du achten solltest
- Der Karren: Molly schiebt einen Handkarren voller Körbe mit Herz- und Miesmuscheln, der Ware aus dem Refrain des Liedes.
- Das tief ausgeschnittene Kleid: Wegen ihres Dekolletés gaben die Dubliner der Statue den Spitznamen „the Tart with the Cart“ (etwa „das Flittchen mit dem Karren“).
- Die abgewetzten Stellen: Die Statue hat eine dunkelbraune Patina, doch jahrelanges Reiben „für Glück“ an der Brust hat Teile davon wieder blank poliert. Angefangen haben soll die Unsitte mit dem Tipp eines Fremdenführers.
- Die Blumenbeete um den Sockel: Der Stadtrat von Dublin hat sie 2025 nach einem Versuch mit Ordnern angelegt, damit die Leute die Statue nicht mehr begrapschen.
Gab es Molly wirklich?
Sieh Molly besser als Figur, nicht als historische Person. Historiker haben nichts gefunden, was die Mary Malone von 1699 mit dem Lied verbindet, und die irische Literaturhistorikerin Siobhán Kilfeather nannte die Geschichte von einer historischen Molly schlicht Unsinn. Eine beliebte Version ergänzt, Molly habe tagsüber Fisch verkauft und nachts als Prostituierte gearbeitet; auch dafür gibt es keinen Beleg. 2024 startete ein Dubliner Straßenmusiker die Kampagne „Leave Molly mAlone“ gegen das Anfassen, und auch die Sängerin Imelda May hat sich dagegen ausgesprochen.
Tipps für deinen Besuch
- Komm früh am Morgen, wenn du ein Foto ohne Menschenmenge willst: Die Ecke an der Suffolk Street wird ab dem späten Vormittag voll, vor allem wenn Reisegruppen vorbeikommen.
- Bitte reib nicht an der Statue. Die Dubliner bitten Besucher seit Jahren, Molly in Ruhe zu lassen, und das Anfassen zerstört die Oberfläche.
- Hör dir das Lied vorher an oder frag abends in einem Pub danach: Es wird überall in der Stadt gesungen, oft als inoffizielle Hymne Dublins.
In der Nähe
- Grafton Street: Dublins wichtigste Einkaufs- und Fußgängerstraße beginnt gleich um die Ecke und ist für ihre Straßenmusiker bekannt.
- Trinity College Dublin: die 1592 gegründete Universität mit dem Book of Kells, ein paar Gehminuten entfernt.
- St Stephen’s Green: der viktorianische Stadtpark am oberen Ende der Grafton Street, gut für eine Pause auf einer Bank am Teich.
- Dublin Castle: jahrhundertelang Sitz der britischen Herrschaft in Irland, etwa zehn Minuten zu Fuß Richtung Westen und eine der Stationen unserer Schnitzeljagd.
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