
Der Heinzelmännchenbrunnen in der Straße Am Hof, wenige Schritte vom Kölner Dom, erzählt Kölns liebste Sage in Stein. Er zeigt den Moment, in dem die Stadt ihre hilfreichen Hausgeister verlor: Eine Schneidersfrau mit Laterne blickt auf die kleinen Männer herab, die über ihre ausgestreuten Erbsen die Treppe hinunterpurzeln.
Der Heinzelmännchenbrunnen auf einen Blick
- Wo: Am Hof in der Altstadt, gegenüber dem Brauhaus Früh und wenige Minuten südlich des Doms.
- Erbaut: 1899–1900, gestiftet vom Kölner Verschönerungsverein zum 100. Geburtstag des Dichters August Kopisch.
- Von: dem Architekten Heinrich Renard und seinem Vater, dem Bildhauer Edmund Renard dem Älteren.
- Was er heute ist: ein öffentlicher Brunnen und eines der meistfotografierten Motive zwischen Dom und Altstadt.
- Zeitbedarf: etwa 10 Minuten, um ihn zu umrunden und die Reliefs anzusehen.
Eine Sage, ein Gedicht und ein Brunnen
Der Sage nach waren die Heinzelmännchen kleine Hausgeister, die nachts die ganze Arbeit der Kölner erledigten, sodass die Bürger tagsüber faulenzen konnten. Damit war Schluss, als eine Schneidersfrau, die sie unbedingt sehen wollte, Erbsen auf den Boden der Werkstatt streute. Die Heinzelmännchen rutschten aus, stürzten, waren erzürnt und verschwanden für immer. Seitdem mussten die Kölner ihre Arbeit selbst machen.
Berühmt wurde die Geschichte durch die Ballade des Malers und Dichters August Kopisch von 1836. Zu seinem 100. Geburtstag stiftete der Verschönerungsverein diesen Brunnen, entworfen von Heinrich Renard (1868–1928) mit seinem Vater Edmund Renard dem Älteren (1830–1905), einem eher für religiöse Kunst bekannten Bildhauer. Die Originalfigur der Schneidersfrau befindet sich heute in der Sammlung des Kölnischen Stadtmuseums; am Brunnen steht eine witterungsbeständigere Kopie. Bei einer Renovierung 2017/18 wurden auch die figürlichen Reliefs, die durch eine frühere Hydrophobierung gelitten hatten, durch Kunststeinabgüsse ersetzt.
Worauf du achten solltest
- Die Schneidersfrau: Sie steht auf der Doppeltreppe über dem Becken und hält eine Laterne hoch, um die Heinzelmännchen zu sehen, die sie zu Fall gebracht hat.
- Die stürzenden Heinzelmännchen: Zu beiden Seiten der Treppe purzeln die kleinen Männer hinab und schauen zu ihr hinauf.
- Die Inschrift: Unter ihr steht auf einem Schriftband über einem Schneiderwappen der Kernsatz von Kopischs Gedicht: „Neugierig war des Schneiders Weib“.
- Die Reliefs an der Mauer: Sechs Tafeln zeigen die Heinzelmännchen bei der Arbeit als Zimmermann, Schreiner, Bäcker, Metzger, Schenk und Schneider, dazwischen zwei Tafeln mit Versen des Gedichts in Frakturschrift.
- Die Eule an der Rückseite: Geh um den Brunnen herum – dort sitzt eine Eule auf einem Buch und hält eine Lupe, ein Hinweis auf Klugheit und auf Kopischs Werk.
Heinzelmännchen im heutigen Köln
Hat man einmal angefangen zu suchen, begegnen einem die Heinzelmännchen überall in Köln. Ihre Geschichte wird traditionell in der Weihnachtszeit erzählt, und der Weihnachtsmarkt in der nahen Altstadt trägt ihren Namen. Der Brunnen ist der beste Ausgangspunkt: Die ganze Sage, von den fleißigen Helfern bis zu den Erbsen, ist hier an einem Ort versammelt.
Tipps für deinen Besuch
- Morgenlicht ist am besten für die Schneidersfrau und die Treppe; abends wird es vor dem Früh voll.
- Geh einmal ganz herum: Die Eule und die Tafeln mit dem Gedicht übersieht man leicht, wenn man nur von vorne schaut.
- Verbinde den Brunnen mit dem Dom und dem Bereich um das Römisch-Germanische Museum gleich nördlich davon.
In der Nähe
- Kölner Dom: die gotische Kathedrale mit ihren Doppeltürmen, wenige Gehminuten nördlich.
- Alter Markt: der alte Marktplatz mit dem Rathausturm und seinem Glockenspiel, ein kurzer Spaziergang Richtung Südosten.
- Farina-Haus: das Duftmuseum im Haus der Eau-de-Cologne-Hersteller am Gülichplatz, wenige Minuten entfernt.
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