Kapitelschwemme in Salzburg: Neptuns Pferdebad am Kapitelplatz

The Kapitelschwemme horse pond with Neptune on Kapitelplatz in Salzburg

Die Kapitelschwemme ist die barocke Pferdeschwemme am Kapitelplatz, dem Platz direkt hinter dem Salzburger Dom. Sie sieht aus wie ein prächtiger Brunnen, wurde aber gebaut, um Pferde zu waschen und abzukühlen – und in ihrer Mitte thront Neptun selbst, auf einem Seepferd reitend, das Wasser ins Becken speit.

Die Kapitelschwemme auf einen Blick

  • Wo: am Kapitelplatz, zwischen dem Dom und dem Fuß des Festungsbergs, auf dem Weg zur Festungsbahn.
  • Gebaut: in ihrer heutigen Form 1732 unter Fürsterzbischof Leopold Anton von Firmian; eine Pferdeschwemme gab es auf dem Platz schon lange vorher.
  • Von: entworfen von Franz Anton Danreiter; die Neptungruppe stammt vom Bildhauer Josef Anton Pfaffinger.
  • Heute: ein Denkmal und eine Kulisse auf einem der belebtesten Plätze der Altstadt, noch mit Wasser gefüllt, aber nicht mehr für Pferde genutzt.
  • Zeitbedarf: 10 Minuten, länger, wenn du beim Riesenschach auf dem Platz zuschaust.

Von den Pferden des Domkapitels zum barocken Schaustück

Der Kapitelplatz ist nach dem Domkapitel benannt, den Domherren, die den Dom leiteten und bis zur Auflösung des Erzstifts 1803 rund um diesen Platz wohnten. Ihre Pferde brauchten Wasser und Pflege, und eine Schwemme ist hier schon seit dem Mittelalter belegt. Eine Pferdeschwemme war etwas sehr Praktisches: Nach der Arbeit wurden die Tiere ins Wasser geführt, um sie zu säubern, und im Sommer, um sie abzukühlen.

1732 ließ Erzbischof Firmian – derselbe Landesherr, der die Salzburger Protestanten vertrieb und Schloss Leopoldskron baute – die Schwemme als Schaustück neu gestalten. Danreiters Entwurf, angeregt von den Brunnen Roms, fasste das Wasser mit einer Marmorbalustrade und einer Nische ein, und Pfaffingers Neptun machte aus einer Nutzanlage eine Bühne. Firmian ließ auch die andere große Pferdeschwemme der Stadt, die beim Marstall, umgestalten.

Worauf du achten solltest

  • Neptun in der mittleren Nische, gekrönt und mit Dreizack, auf einem sich aufbäumenden Seepferd, aus dessen Maul Wasser strömt.
  • Die wasserspeienden Tritonen an den Seiten, halb Mensch, halb Fisch, passend zum Thema des Meeresgottes.
  • Firmians Wappen über der Nische mit einer lateinischen Inschrift, die ein Chronogramm ist: Ihre Großbuchstaben ergeben zusammen das Baujahr.
  • Die Marmorbalustrade um das Becken, in das früher die Pferde zum Waschen und Abkühlen geführt wurden.
  • Stephan Balkenhols „Sphaera“ auf demselben Platz: eine riesige goldene Kugel mit einem Mann obendrauf, ein moderner Gegenpol zum barocken Brunnen.

Das Chronogramm entschlüsseln

Chronogramme waren in Salzburg ein beliebtes barockes Rätsel. Die Buchstaben, die auch römische Zahlen sind (I, V, X, L, C, D, M), werden größer geschrieben als die übrigen, und wenn du sie addierst, erhältst du das Jahr, in dem das Werk fertig wurde. Probier es an der Inschrift der Kapitelschwemme mit dem Taschenrechner deines Handys aus: So liest du ein Denkmal einmal richtig, das die meisten nur fotografieren.

Tipps für deinen Besuch

  • Komm früh am Morgen, bevor die Gruppen auf dem Weg zur Festung den Platz füllen.
  • Für ein Foto mit der Festung darüber gehst du ein paar Schritte Richtung Dom zurück und rahmst Neptun mit der Hohensalzburg auf dem Berg dahinter.
  • Kletter nicht auf die Balustrade oder ins Becken; es ist ein geschütztes Denkmal.
  • Verbinde den Besuch mit dem Aufstieg oder der Fahrt mit der Festungsbahn, die eine Minute entfernt startet.

In der Nähe

  • Salzburger Dom: der barocke Dom, dessen Kuppel die Südseite des Platzes abschließt.
  • Festungsbahn: die Standseilbahn zur Festung Hohensalzburg startet gleich neben dem Kapitelplatz.
  • Petersfriedhof: einer der ältesten Friedhöfe der Stadt, mit in den Fels gehauenen Katakomben, ein paar Gehminuten entfernt.
  • Residenzplatz: der große Platz mit dem Residenzbrunnen, auf der anderen Seite des Doms.

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