
Die Sieben Faulen sind die Helden einer Bremer Geschichte über sieben Brüder, die als Faulpelze verspottet werden und sich als kluge Erfinder leichterer Arbeitsweisen entpuppen. In der Böttcherstraße, der kurzen expressionistischen Straße zwischen Marktplatz und Weser, begegnest du ihnen zweimal: als sieben Figuren am Giebel des Hauses der Sieben Faulen und als sieben Terrakottafiguren an einem Backsteinbrunnen, den Bernhard Hoetger 1927 schuf.
Die Sieben Faulen auf einen Blick
- Wo: Böttcherstraße in der Bremer Altstadt. Das Haus liegt rechts, wenn du die Straße vom Marktplatz aus betrittst; der Brunnen steht im Hof des Paula-Modersohn-Becker-Hauses.
- Entstanden: Die Geschichte stammt vom Bremer Schriftsteller Friedrich Wagenfeld (1810–1846); der Brunnen von 1927; das Haus erhielt seinen heutigen Namen beim Wiederaufbau 1954.
- Von: Bernhard Hoetger schuf den Brunnen; die Figuren am Giebel des Hauses stammen vom Bildhauer Aloys Röhr.
- Was es heute ist: Teil der Böttcherstraße, einer Straße mit Museen, Werkstätten und Läden, die seit 1973 unter Denkmalschutz steht.
- Zeitbedarf: 15 Minuten für Haus und Brunnen, eine Stunde oder mehr für die ganze Straße und ihre Museen.
Eine Bremer Sage und die Straße eines Kaffeekaufmanns
Wagenfelds Geschichte spielt vor der alten Stadtmauer, auf tief liegendem, nassem Land an der Weser. Ein armer Bauer hat sieben große, starke Söhne, die lieber faulenzen als schuften, und so nennen die Nachbarn sie die Sieben Faulen. Da sie in Bremen keine Arbeit finden, ziehen sie in die Welt. Jahre später kehren sie mit neuen Ideen zurück: Sie graben einen Graben, der die Felder in die Weser entwässert, bauen einen Deich gegen Hochwasser, pflastern einen Weg, bauen Häuser daran, pflanzen Linden und graben einen Brunnen. Die Nachbarn halten sie trotzdem für faul, zu faul, im Schlamm zu arbeiten, die Stiefel zu putzen oder Wasser vom Fluss zu holen. Die Moral: Ein bisschen Klugheit spart viel Schweiß.
Die Böttcherstraße selbst ist eine Schöpfung des 20. Jahrhunderts. Zwischen 1922 und 1931 ließ der Kaffeekaufmann Ludwig Roselius die alte Gasse der Böttcher neu bebauen, Bernhard Hoetger war für einen Großteil der künstlerischen Gestaltung verantwortlich. Hoetgers Sieben-Faulen-Brunnen entstand 1927 im Hof des Paula-Modersohn-Becker-Hauses. Bomben zerstörten 1944 große Teile der Straße, die bis 1954 wiederaufgebaut wurde; eines der wiederaufgebauten Häuser wurde danach nach den sieben Brüdern benannt und erhielt ihre Figuren am Giebel.
Worauf du achten solltest
- Die Giebelfiguren: sieben aufrecht stehende Figuren der Brüder am Haus der Sieben Faulen. Geh auf die andere Straßenseite, um alle sieben zu sehen.
- Der Brunnen: ein etwa fünf Meter breiter Backsteinbau mit sieben Brüdern aus Terrakotta in Nischen.
- Die Stadtmusikanten am Wasserspeier: Das Wasser fließt aus einem Bronzerohr, auf dem Esel, Hund, Katze und Hahn der Bremer Stadtmusikanten stehen.
- Das Glockenspiel: Zwischen den Giebeln des Hauses des Glockenspiels hängen Glocken aus Meissener Porzellan. Wenn sie spielen, dreht sich ein Turm mit geschnitzten Holztafeln, die berühmte Ozeanbezwinger wie Kolumbus zeigen.
- Der Lichtbringer: das vergoldete Relief von Hoetger aus dem Jahr 1936 über dem Eingang vom Marktplatz, eine Figur im Kampf mit einem Drachen.
Faul oder klug?
Der Name ist älter als die Geschichte. In Bremen gibt es eine Faulenstraße, und im Mittelalter bezeichnete das Wort eine schmutzige, ungepflasterte Straße. Wagenfeld, der in den 1840er-Jahren viele Bremer Sagen aufschrieb und erfand, machte daraus eine Geschichte über sieben Brüder. Die Sage ist also eine Erfindung des 19. Jahrhunderts und keine mittelalterliche Chronik, aber sie passt gut zur Stadt: Bremen hat schon immer von Handel und Technik auf nassem Boden an der Weser gelebt.
Tipps für deinen Besuch
- Die Böttcherstraße ist eng und mittags voll. Komm am Vormittag, um Haus und Brunnen in Ruhe anzusehen.
- Das Glockenspiel spielt mehrmals am Tag, vom Frühjahr bis zum Jahresende öfter. Schau auf die in der Straße angeschlagenen Zeiten und plane deinen Besuch um eine davon.
- Schau nach oben: Viele der schönsten Details, auch die sieben Brüder, sitzen an den Giebeln über den Schaufenstern.
In der Nähe
- Marktplatz: Bremens Hauptplatz mit Rathaus und Roland, gemeinsam seit 2004 UNESCO-Welterbe, am nördlichen Ende der Böttcherstraße.
- Bremer Stadtmusikanten: die Bronzeplastik von Gerhard Marcks (1953) neben dem Rathaus. Besucher halten die Vorderbeine des Esels fest, das soll Glück bringen.
- Schlachte: die Uferpromenade an der Weser, direkt südlich der Böttcherstraße, mit alten Schiffen, Biergärten und Cafés.
- Schnoor: das älteste Viertel, ein Gewirr aus engen Gassen und winzigen Häusern, etwa zehn Gehminuten östlich.
Bremen mit World City Trail entdecken
Unsere Schnitzeljagd in Bremen macht die Altstadt zu einem Spiel auf deinem Handy. Die Route verbindet 10 Stationen und dauert etwa 2 Stunden, davon rund 34 Minuten zu Fuß. Sie führt durch die Böttcherstraße und über die Schlachte. Du kannst auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch oder Niederländisch spielen.
Wenn dir ein anderes Format lieber ist: In Bremen gibt es auch einen selbstgeführten Stadtrundgang und ein Outdoor-Escape-Game.
Die Schnitzeljagd in Bremen spielen →
Den selbstgeführten Stadtrundgang durch Bremen machen →
Das Outdoor-Escape-Game in Bremen spielen →
Fakten geprüft im Oktober 2026.
