Dame Carcas in Carcassonne: Die bleibende Legende eines Stadtnamens

Die majestätisch in der südfranzösischen Region Languedoc gelegene mittelalterliche Festungsstadt Carcassonne ist eine atemberaubende UNESCO-Welterbestätte, die für ihre doppelwandigen Mauern und gewaltigen Türme bekannt ist. Wenn der Besucher das beeindruckende Narbonnaise-Tor passiert, wird er von einer eindrucksvollen Büste der Dame Carcas begrüßt, einer legendären Figur, deren Name untrennbar mit dem Ursprung der Stadt verbunden ist. Carcassonne. Auch wenn ihre Geschichte eher der Folklore als dokumentierten Fakten entstammt, verkörpert die Geschichte von Dame Carcas den Geist der Stadt, der sich durch Widerstandsfähigkeit und Gerissenheit auszeichnet.

Dame Carcas in Carcassonne
Dame Carcas in Carcassonne

Die Legende breitet sich aus: Eine Belagerung und eine clevere List

Die Legende der Dame Carcas ist eine ätiologische Geschichte, d. h. sie erklärt den Ursprung des Namens der Stadt. Sie spielt typischerweise im 8. Jahrhundert, während der turbulenten Zeit der Kriege zwischen den christlichen Franken und den muslimischen Sarazenen, die in Teilen Südfrankreichs und der Iberischen Halbinsel Fuß gefasst hatten.

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Nach der populärsten Version der Sage: Die Stadt Carcassonne stand unter sarazenischer Herrschaft, angeführt von König Balaak. Seine Festung war einer unerbittlichen Belagerung durch das riesige fränkische Heer ausgesetzt, das von keinem Geringeren als Karl dem Großen befehligt wurde. Die Belagerung soll fünf Jahre gedauert haben und die Bewohner der Stadt an den Rand des Hungertodes getrieben haben. König Balaak starb schließlich während des langwierigen Konflikts und überließ seiner mutigen Frau, Dame Carcas, das Kommando über die Verteidigung der Stadt.

Als die Vorräte auf ein Minimum schrumpften - angeblich nur noch ein Schwein und ein einziger Sack Weizen - ersann Dame Carcas eine verzweifelte, aber geniale List. Sie ordnete an, dass das letzte Schwein mit dem verbliebenen Weizen gefüttert werden sollte, um es so weit wie möglich zu mästen. Dann ließ sie das Schwein in einer dramatischen Geste des Trotzes über die Stadtmauern werfen, direkt in das fränkische Lager. Beim Aufprall platzte der Bauch des Schweins auf und enthüllte den Weizen darin.

Als die Soldaten Karls des Großen dies sahen, waren sie völlig verblüfft. In dem Glauben, dass die Einwohner von Carcassonne über so viele Vorräte verfügten, dass sie es sich leisten konnten, wertvolles Vieh zu verschwenden, indem sie Schweine mit Weizen fütterten und diese dann wegwarfen, kam Karls Armee zu dem Schluss, dass die Belagerung sinnlos war und die Stadt ihnen auf unbestimmte Zeit widerstehen konnte. Demoralisiert beschlossen die fränkischen Truppen, die Belagerung aufzuheben und sich zurückzuziehen.

Überglücklich über ihren Erfolg befahl Dame Carcas, zur Feier des Tages alle Glocken der Stadt läuten zu lassen. Als die Glocken läuteten, soll einer der Offiziere Karls des Großen ausgerufen haben: "Carcas sonne!" (was auf Französisch "Carcas ringt!" bedeutet). Dieser Satz, so die Legende, wurde zum Namen der Stadt: Carcassonne.

Dame Carcas in Carcassonne
Dame Carcas in Carcassonne

Fakt versus Fiktion: Die historische Realität

Die Legende der Dame Carcas ist zwar eine fesselnde Erzählung und ein starkes Symbol, doch sind sich die Historiker weitgehend einig, dass es sich eher um eine Volkserzählung als um einen historisch korrekten Bericht handelt. Mehrere historische Unstimmigkeiten stellen ihren Wahrheitsgehalt in Frage:

  • Die Beteiligung Karls des Großen: Historische Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass es der Vater von Karl dem Großen war, Pepin der Kurzeder Carcassonne tatsächlich belagerte und von den Sarazenen eroberte, in 759 N. CHR.. Karl der Große wäre zu dieser Zeit zu jung gewesen oder noch nicht auf dem Thron.
  • Herkunft des Stadtnamens: Der Name "Carcassonne" stammt aus dem 8. Jahrhundert. Die Römer nannten den Ort im 1. Jahrhundert v. Chr. "Carsaco", und der Name entwickelte sich im Laufe der Zeit durch verschiedene sprachliche Einflüsse und nicht durch ein einzelnes Ereignis, bei dem eine Glocke geläutet wurde.
  • Übliches Folkloremotiv: Der "Trick mit dem letzten Tier" ist ein häufiges Motiv in der Belagerungsfolklore vieler Kulturen und wird oft verschiedenen historischen Figuren zugeschrieben. Ein frühes Beispiel ist der griechische Bias von Priene aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., der gemästete Maultiere benutzte, um Belagerer zu täuschen.

Die Legende der Dame Carcas entstand und wurde wahrscheinlich im 16. Jahrhundert niedergeschrieben, einer Zeit, in der viele lokale Gründungsmythen niedergeschrieben wurden, vielleicht um Patriotismus zu wecken oder um Ortsnamen zu erklären. Die bekannte Statue der Dame Carcas am Eingang der Porte de la Narbonnaise ist ein Werk aus dem 16. Jahrhundert (das Original befindet sich im Château Comtal, während das heutige Exemplar eine Nachbildung ist).

Dame Carcas in Carcassonne
Dame Carcas in Carcassonne

Beständige Symbolik und moderne Präsenz

Trotz ihrer mythischen Ursprünge ist die Geschichte der Dame Carcas eng mit dem Geist von Carcassonne verbunden. Sie symbolisiert die Unverwüstlichkeit, die Klugheit und den Mut derer, die die scheinbar uneinnehmbare Festung gegen eine überwältigende Übermacht verteidigten. Sie ist zu einer ikonischen Figur geworden, die für die anhaltende Stärke der Stadt und ihre reiche, wenn auch manchmal verschönerte Geschichte steht.

Heute begrüßt die Statue der Dame Carcas die Besucher, wenn sie die Cité betreten, und stellt eine greifbare Verbindung zu dieser beliebten Legende dar. Ihre Geschichte wird in Reiseführern, lokalen Theaterstücken und von Stadtführern nacherzählt und sorgt dafür, dass die Geschichte von der einfallsreichen Prinzessin und dem dicken Schwein auch weiterhin die Besucher der prächtigen Mauern von Carcassonne verzaubert und unterrichtet.

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