
Der Ratsturm, der gotische Turm des Kölner Rathauses, trägt in seiner Spitze ein Glockenspiel mit fast 50 Bronzeglocken. Viermal am Tag erklingt es über dem Alter Markt und dem Rathausplatz, und sein Repertoire reicht von einem Volkslied des 19. Jahrhunderts über Karlheinz Stockhausens „Tierkreis“ bis zur Musik des gebürtigen Kölners Jacques Offenbach.
Das Glockenspiel im Ratsturm auf einen Blick
- Wo: in der Turmspitze des Rathausturms, zwischen Rathausplatz und Alter Markt in der Altstadt.
- Erbaut: der Turm 1407 bis 1414; das heutige Glockenspiel wurde 1958 übergeben.
- Von: Den Turm gaben die Kölner Gaffeln in Auftrag; die Glocken stifteten die Kölner Handwerksinnungen, eine davon Konrad Adenauer.
- Was es heute ist: ein aktives Glockenspiel, das seine täglichen Melodien per Computer spielt und bei Sonderkonzerten von Hand gespielt wird.
- Zeitbedarf: 5–10 Minuten für ein Spiel, dazu Zeit für die Figuren am Turm.
Ein Turm der Gaffeln und seine Glocken
1396 übernahmen die Kölner Gaffeln das Stadtregiment, und am 19. August 1406 beschloss der Rat den Bau eines Turms als Zeichen der neuen Ordnung. Der 1414 vollendete, 61 Meter hohe Ratsturm ähnelt den Belfrieden flämischer Städte. Er bewahrte Urkunden und Privilegien der Stadt, im ersten Stock lag die Ratskammer, und das oberste Geschoss diente dem Feuerwächter als Ausguck. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Turm schwer beschädigt; der Wiederaufbau begann 1950 und war 1975 abgeschlossen, zunächst noch ohne Figuren.
Das erste Glockenspiel mit 27 Glocken wurde 1913 eingebaut und ging im Krieg verloren. Das heutige kam 1958 als Geschenk des Kölner Handwerks: Die Handwerkskammer sammelte das Geld, die Innungen stifteten die Glocken, und Konrad Adenauer spendete eine davon. Der Name jedes Stifters ist in seine Glocke gegossen. Die Glocken wiegen zusammen etwa 14 Tonnen und hängen auf zwei Ebenen in der Turmspitze. Jede kann mit ihrem Klöppel oder mit einem elektromagnetischen Hammer angeschlagen werden – die Melodien laufen heute per Computer, lassen sich aber weiterhin von Hand spielen.
Worauf du achten (und hören) solltest
- Das Tagesprogramm laut Stadt: um 9 Uhr das Volkslied „Die Gedanken sind frei“, um 12 Uhr eine Melodie aus Stockhausens „Tierkreis“, um 15 Uhr Kölner Lieder und um 18 Uhr ein Stück von Offenbach, etwa die Barcarole oder der Cancan.
- Stockhausens Tierkreis: Das Werk hat zwölf Melodien, eine für jedes Sternzeichen, und die Mittagsmelodie wechselt im Lauf des Jahres.
- Die 124 Figuren: An der Turmfassade stehen Herrscher, Bürger und Stadtpatrone, darunter Konrad Adenauer, Karl Marx und Heinrich Böll. Die heutigen Kalksteinfiguren wurden 2008 vollendet.
- Der Platzjabbeck: ein geschnitzter Kopf über der Uhr auf der Seite zum Alter Markt, der zur vollen Stunde den Mund öffnet und die Zunge herausstreckt.
- Die Stifternamen: Vom Boden aus siehst du sie nicht, aber jede Glocke trägt den Namen der Innung oder Person, die sie bezahlt hat.
Konzerte mit Gast-Carillonneuren
Neben den vier täglichen Spielen gibt es meist zwei bis drei Sonderkonzerte im Jahr, überwiegend im Sommer, bei denen Gast-Carillonneure aus dem In- und Ausland die Glocken von Hand spielen. Das Programm richtet sich nach dem Anlass: Kölsche Lieder, Musik aus Partnerstädten oder Advents- und Weihnachtslieder.
Tipps für deinen Besuch
- Hör vom Alter Markt aus zu, wo du auch den Platzjabbeck beobachten kannst; der Platz hat viele Bänke und Caféterrassen.
- Sei ein paar Minuten vor der Mittagsmelodie da und bleib für den Platzjabbeck zur vollen Stunde.
- Nimm ein Fernglas mit oder nutze den Zoom deines Handys, um einzelne Figuren am Turm zu erkennen.
In der Nähe
- Alter Markt: der alte Marktplatz am Fuß des Turms, mit dem Jan-von-Werth-Brunnen.
- Renaissance-Laube des Rathauses: die Bogenhalle auf der Seite zum Rathausplatz, im 16. Jahrhundert angefügt.
- Groß St. Martin: die romanische Kirche mit Kleeblattchor, wenige Gehminuten Richtung Rhein.
- Kölner Dom: die gotische Kathedrale mit ihren Doppeltürmen, ein kurzer Spaziergang nach Norden.
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